Die Attentate der vergangenen Tage in Bayern wirken sich auch auf anstehende Feste in Augsburg aus. Auf dem Plärrer, der in einem Monat beginnt, soll es erstmals an den drei Eingängen zum Festplatz Kontrollen geben. Das sagte Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) unserer Zeitung. Er spricht sich dafür aus, dass Sicherheitsmitarbeiter an den Eingängen postiert werden. Sie sollen auch stichprobenartig die Taschen der Besucher kontrollieren.
Mit rund 500.000 Besuchern gilt der Augsburger Plärrer als Schwabens größtes Volksfest. Das Fest war in den vergangenen Jahren stets sicher, die Zahl der Straftaten gemessen an den vielen Besuchern gering. Aber Dirk Wurm weiß auch, dass der Blick in die Vergangenheit nicht viel Aussagekraft hat. Ein Einzeltäter – aus welcher Motivation heraus auch immer er zuschlägt – könnte alles verändern.
Deshalb spricht sich Wurm dafür aus, die Kontrolle an den Zugängen zu verbessern. „Das wird wahrscheinlich nur durch verstärkten Personaleinsatz zu machen sein“, so Wurm. Eine Kontrolle aller Plärrer-Besucher halte er nach derzeitigem Stand für nicht machbar und auch nicht angemessen. Die Details sollen in rund zwei Wochen auf einer Sicherheitsbesprechung für das Volksfest, an der auch die Polizei beteiligt ist, geklärt werden.
Taschenkontrollen hat es beim Wertachbrucker Tor schon früher gegeben
Der Herbstplärrer beginnt am 26. August. Bereits Ende der Woche stehen in Augsburg zwei andere Veranstaltungen an – das Stadtmauerfest am Wertachbrucker Tor und das Straßenkünstlerfestival La Strada in der Innenstadt. Das historische Fest an Wertachbrucker Tor sei schon in den vergangenen Jahren eingezäunt gewesen, auch habe es bereits Taschenkontrollen gegeben, sagt Dirk Wurm. Man werde in den nächsten Tagen noch Gespräche mit dem Stadtmauerverein führen und schauen, wo eventuell noch etwas verbessert werden kann. La Strada sei ein offenes Festival, bei dem die Sicherheitskräfte ebenfalls Präsenz zeigen könnten. Zugangskontrollen seien aber nicht möglich.
Polizeisprecher Manfred Gottschalk sagt mit Blick auf anstehende Veranstaltungen in Augsburg: „Wir waren bei dem Thema schon bisher sensibel und sind es natürlich jetzt erst recht.“ Grundsätzlich sei die Polizei auf Attentate und Amoklagen vorbereitet. Es gebe – vergleichbar mit München – entsprechende Pläne. Zu Einzelheiten äußert sich die Polizei aus taktischen Gründen nicht. Wie auch in München dürfte je nach Lage die Anforderung von Einsatzkräften aus benachbarten Regionen ein Thema sein.
Nach dem Amoklauf in München wurde auch das Augsburger Klinikum alarmiert
Vorbereitet auf große Zahlen von Verletzten – vom Unfall bis zum Terroranschlag oder Amoklauf – ist auch das Klinikum. Dort gibt es je nach Größe und Art des Vorfalls Notfallpläne. In der Amoknacht von München hatten die dortigen Kliniken nach einem ähnlichen Muster Personal aus der Freizeit an den Arbeitsplatz gerufen. Als die Lage in München am frühen Freitagabend noch völlig unklar war und ein Terroranschlag mit möglichen Folgeattentaten im Raum stand, kam aus München auch die Anfrage ans Klinikum, ob man notfalls Patienten aufnehmen könnte. Nötig war das aber nicht.
Sollte es in Augsburg einen Vorfall mit vielen zu erwartenden Verletzten geben, werden Ärzte und Pfleger erst einmal intern alarmiert. „Genügt das nicht, ruft ein Computer nacheinander die Handynummern von Mitarbeitern, die gerade keinen Dienst haben, an“, sagt Klinikums-Sprecherin Ines Lehmann. Je nach Szenario wählt sich der Computer durch die Telefonlisten, bis er Rückmeldung hat, dass die erforderliche Anzahl an Pflegern und Ärzten der verschiedenen Disziplinen zur Notaufnahme kommt. Via Tastenkombination auf dem Handy können die Angerufenen bestätigen, ob sie kurzfristig in die Klinik kommen können oder nicht. Auch für die Abläufe gibt es feste Pläne, die verhindern sollen, dass in der Hektik, falls minütlich Schwerverletzte angeliefert werden, ein Chaos ausbricht.
Verschärfte Sicherheitskontrollen auf dem Plärrer: Traurige Realität