Auf 92 Lehrstellen kommen im Bereich der Industrie- und Handelskammer Augsburg 100 Bewerber. Und obwohl die Zahl der potenziellen Auszubildenden die Zahl der Lehrstellen übersteigt, haben viele Firmen Probleme, geeignete Azubis zu finden und einzustellen.
Geburtenschwache Jahrgänge und der allgemeine Fachkräftemangel führen dazu, dass sich gute Ausbildungssuchende ihre Lehrstelle quasi aussuchen können. Da überrascht es nicht sonderlich, dass in Norddeutschland inzwischen der erste Headhunter für Auszubildende tätig geworden ist. Auch Betriebe in Augsburg und Schwaben sind von dem Phänomen betroffen, weshalb die IHK nun zu einer Vortragsveranstaltung einlud, um interessierten Personalverantwortlichen den Weg zu den Auszubildenden zu weisen. Der führt inzwischen häufig in die sozialen Netzwerke im Internet.
"Ich bin nah dran an meinen Azubis" – diese Selbsteinschätzung vieler Ausbildungsverantwortlicher erweise sich oft als Trugschluss, erklärte Referent Josef Buschbacher, einst selbst in dieser Funktion in einem Maschinenbauunternehmen tätig. Facebook und andere soziale Netzwerke, Handy und Computer bestimmen die Lebensrealität vieler Jugendlicher – für Ältere oftmals ein Buch mit sieben Siegeln.
Eine spannende und erschreckende Reise
Und so war es nur folgerichtig, dass Buschbacher sein Publikum mitnahm auf eine teils unterhaltsame, teils erschreckende Reise durch die Errungenschaften und Auswüchse dessen, was Fachleute als Web 2.0 bezeichnen. Wie sehen die sozialen Netzwerke, virtuelle Welten oder Online-Spiele aus? In welchem Ausmaß und zu welchem Zweck nutzen junge Leute diese Technologien? Und wie kann diese Zielgruppe, die möglichen Auszubildenden von morgen, hier angesprochen, fasziniert und an das Unternehmen gebunden werden?
Florian Remmelmayr, Personalreferent beim Augsburger Softwareunternehmen Cadenas, kennt die Probleme bei der Suche nach Auszubildenden aus eigener Erfahrung. "Es ist wirklich schwierig, qualifizierte Bewerber zu finden und die Frage, wie man diese erreichen kann, beschäftigt uns sehr2, bestätigt Remmelmayr.
Der Personalmann ist zwar selbst Facebook-Mitglied, und seine Firma ist auf vielen sozialen Netzwerken präsent, doch vor allem, um Kontakt zum Fachpublikum zu halten. "Wir wollen uns in Zukunft verstärkt in diesem Bereich engagieren", zieht Florian Remmelmayr seine Konsequenzen aus dem Vortrag, der wohl so einigen Zuhörern klar gemacht hat, dass man eben doch nicht so nah an der Zielgruppe ist, wie man gedacht hat.