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09. Februar 2009 19:15 Uhr

Briefe ohne Ende

Augsburger Rentnerin leidet unter Werbe-Terror

Seit über einem halben Jahr landen täglich mehrere Werbe-Schreiben im Briefkasten der 87-jährigen Augsburgerin Erna Nowak. Außerdem wird sie mit ominösen Gewinn-Anrufen terrorisiert. Hinter all dem steckt ein- und dieselbe Firma. Von Jörg Heinzle

Von Jörg Heinzle

Die Briefe sehen jeden Tag anders aus. Doch die schönen Versprechen klingen immer gleich. "Dringende Eilgewinner-Ausschüttung von 17 000 Euro" steht auf dem Kuvert oder "Auswahlbescheid bezüglich 30 000 Euro".

Seit über einem halben Jahr landen tagtäglich mehrere dieser Schreiben im Briefkasten der 87-jährigen Augsburgerin Erna Nowak. Außerdem wird sie Tag für Tag mit ominösen Gewinn-Anrufen terrorisiert. Hinter all dem steckt ein- und dieselbe Firma. Ein Unternehmen namens "Friedrich Müller" aus Wien.

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Das Problem: Verbraucher können wenig tun gegen die nervenzehrende Werbeflut. "Ich habe denen geschrieben, dass ich keine Post mehr bekommen möchte", erzählt Erna Nowak. "Doch es hilft einfach nichts." Die 87-Jährige hat fast alle Briefe aufbewahrt, die ihr bisher zugeschickt wurden. Die Umschläge staplen sich auf dem Schreibtisch in ihrem Wohnzimmer, es sind Hunderte. Erna Nowak hat früher als Chefsekretärin gearbeitet, sie arbeitet gründlich. Deshalb hat sie anfangs alle Briefe geöffnet, gelesen und das Eingangsdatum vermerkt. Das hat sie aufgegeben. Doch einfach wegwerfen kann sie die Briefe nicht. Die Werbeflut beschäftigt sie; geht ihr auf die Nerven.

Angefangen hat alles damit, dass sich die Rentnerin im vergangenen Sommer einige Lose der Süddeutschen Klassenlotterie kaufte. Kurze Zeit später lag ein Brief in der Post, der ihr einen Gewinn verkündete. Sie müsse nur noch eine Servicenummer anrufen, hieß es darin, um den Gewinn zu bestätigen. Erna Nowak rief an, bekam kein Geld, musste jedoch saftige 90 Euro für das Telefonat berappen. Im Kleingedruckten steht, warum der Anruf so teuer ausfiel: Jede Minute kostet stolze 2,99 Euro. "Sie sagen einem die ganze Zeit, man soll auf keinen Fall auflegen", sagt Erna Nowak. Normalerweise, meint sie, wäre sie niemals auf die Abzocker reingefallen. "Das ist nur passiert, weil ich vorher die Lose gekauft habe und dachte, das hängt damit zusammen."

Nach diesem einen Anruf hat die Rentnerin nie mehr auf die Werbung von "Friedrich Müller" reagiert. Trotzdem nimmt der Terror seither kein Ende. Die täglichen Briefe und die Anrufe zu unterschiedlichsten Tageszeiten sind nur das eine. Erna Nowak bekam von derselben Firma auch noch ungefragt "Drachenkraft"-Tabletten zugesandet, die sie nie bestellt hatte. Als sie die Tabletten, die angeblich gegen diverse Leiden helfen sollten, umgehend wieder zurück nach Wien schickte, erhielt sie mehrere böse Briefe. "Ernste Konsequenzen" wurden ihr angedroht für den Fall, dass sie die Rechnung nicht doch noch bezahlt.

"Dieses Unternehmen hat es gezielt auf ältere Menschen abgesehen", sagt Rudolf Boll, Sprecher der Bundesnetzagentur in Bonn. Die Hintermänner hoffen, dass sie bei den Senioren ein leichtes Spiel haben - und ordentlich kassieren können. Die Bundesnetzagentur hatte im vergangenen Jahr bereits mehr als ein Dutzend Rufnummern von "Friedrich Müller" gesperrt. Geholfen hat es offenbar wenig: Der Anruf-Terror geht munter weiter. Und gegen die Briefflut könne die Behörde ohnehin nichts tun, meint Boll. "Briefe hat der Gesetzgeber extra ausgenommen, weil man sie ja einfach wegschmeißen kann."

Für Erna Nowak ist das kein Trost. "Das ist doch zum Auswachsen", meint sie. "Man muss doch eine Möglichkeit haben, gegen diese Briefkastenfirmen vorzugehen." Bei der Staatsanwaltschaft in Augsburg hat sie Anzeige erstattet. Die Ermittler hier haben das Verfahren an die Kollegen in Wien weitergegeben. Dort laufen die Beschwerden von vielen Tausend Menschen ein, die auf "Friedrich Müller" reingefallen sind. "Es ist ein unglaublich mühsames Verfahren", sagte ein Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft auf AZ-Anfrage. "Es wird noch sehr lange dauern. Ein Abschluss ist nicht in Sicht." Und der Brief-Berg bei Erna Nowak wächst.

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