Die Überlegungen des Kultusministeriums, das Bayernkolleg von Augsburg nach Marktoberdorf (Ostallgäu) zu verlegen, schlagen weiter hohe Wellen. Am Samstag demonstrierten 500 Schüler, Lehrer und Ehemalige in der Innenstadt. Neben dem grundsätzlichen Erhalt des Bayernkollegs in Augsburg wird immer mehr ein Thema, wer künftig dafür bezahlen müsste.
Wie berichtet, will der Freistaat die Einrichtung in der Schillstraße, an der sich knapp 600 Schüler auf dem zweiten Bildungsweg auf das Abitur vorbereiten, schließen. Betroffen wäre auch ein Wohnheim mit 60 Zimmern. Grund ist, dass beide Gebäude renoviert werden müssen. Von 15 Millionen Euro Kosten ist die Rede.
Momentan laufen Gespräche mit Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Es gab bereits eine Runde mit CSU-Abgeordneten aus der Region, demnächst soll es ein Treffen mit Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) geben. Die Stadt legt größten Wert darauf, dass der Freistaat sowohl die Schule als auch das Wohnheim weiter betreibt. Denn sollte das Wohnheim geschlossen werden, würde die Stadt nach Gesetzeslage zum „Sachaufwandsträger“ werden, der für die Schulgebäude und deren Ausstattung zuständig ist. Das bestätigte Gribl unserer Zeitung.
Offenbar fürchtet die Stadt ein Szenario, nach dem der Freistaat versuchen könnte, sich so bequem der maroden Gebäude zu entledigen. „Wir wollen den Erhalt der Gesamteinrichtung“, betont Gribl. Es gehe dabei nicht nur um die Finanzierung. „Das Wohnheim ist für die Schüler notwendig.“
SPD-Chefin spricht von einer „Erpressung“
Doch selbst wenn der Freistaat auf eine Schließung des Wohnheims drängt, müsse über die Finanzierung der Schule geredet werden, so Gribl. Die Augsburger SPD-Chefin Ulrike Bahr spricht von einer „Erpressung der Kommune“. Es könne nicht sein, dass sich der Freistaat auf Kosten der Stadt aus seiner Verantwortung stiehlt. Dieses Szenario ist aber nur eines von mehreren. Konkrete Hinweise, dass der Freistaat der Stadt das Bayernkolleg aufs Auge drücken will, gibt es nicht. Momentan scheint die Staatsregierung nach dem hiesigen Proteststurm darüber nachzudenken, innerhalb des Bildungshaushaltes umzuschichten, sagt ein Teilnehmer des Treffens mit Spaenle.
Am Samstag gab es unterdessen eine große Demonstration durch die Innenstadt. Mit Sprüchen wie „Bayernkolleg wird nicht verlegt“ oder „Bayernkolleg statt Bauernkolleg“ setzten sich die Teilnehmer für einen Verbleib in Augsburg ein.
Politiker von CSU, SPD, Grünen, FDP, Pro Augsburg und Linken sprachen sich unisono für einen Verbleib in Augsburg aus. Hier gebe es, auch wegen des relativ hohen Migrantenanteils, großen Bedarf. Bildungsreferent Hermann Köhler sagte, es sei „verwerflich“, wenn man Menschen mit Berufsausbildung die Chance nähme, das Abitur nachzumachen.
Einen Karriereweg wie „Vom Elektriker zum Facharzt“ mache nur das Kolleg möglich, berichtete ein ehemaliger Schüler, der die Lebenswege der Mitkollegiaten seines Jahrgangs nachzeichnete. Doch es gab auch Misstöne. CSU-Landtagsabgeordneter Bernd Kränzle musste sich der Kritik von Kollegiaten stellen, die sauer auf die Staatsregierung sind. Die schwäbischen Abgeordneten stünden aber hinter Augsburg, entgegnete Kränzle. „Wir suchen nach Lösungen.“ Auch OB Gribl appellierte nach Zwischenrufen während seiner Rede an die Demonstranten, das Thema nicht parteipolitisch aufzuladen.
Die Opposition sieht hingegen noch offene Fragen. „Der Sanierungsbedarf kommt nicht so überraschend, wie getan wird“, so SPD-Landtagsabgeordneter Linus Förster. Schon bei den Haushaltsberatungen sei klar gewesen, dass hier noch Geld fließen muss. Grünen-Abgeordnete Christine Kamm äußerte den Verdacht, dass die Kosten hoch angesetzt wurden, um so den Druck zu erhöhen.
Bei uns im Internet
Eine Bildergalerie zu der Demonstration gibt es unter
augsburger-allgemeine.de