Die Nachrichten, die Gewerkschaft und Unternehmensführung gestern verkündeten, dürften bei vielen Osram-Mitarbeitern zumindest für etwas Erleichterung gesorgt haben. Eine Garantie, dass die derzeit gut 2000 Arbeitsplätze an den Standorten Augsburg und Schwabmünchen dauerhaft erhalten bleiben, haben die Beschäftigten aber nach wie vor nicht.
Der Standort, der vor allem im Geschäft mit Energiesparlampen erfolgreich ist, könnte mithilfe einer Brückentechnologie für die nächsten Jahre gesichert werden. Das erklärte Betriebsratschef Willi Sattler gestern bei einer Betriebsversammlung. Fix ist das allerdings noch nicht. Sattler ist zuversichtlich, dass darüber hinaus auch langfristig moderne Leuchten in Augsburg produziert werden. Von einer Investition in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags sei die Rede. Die Gespräche mit der Unternehmensspitze liefen gut, so Sattler. „Der Vorstand steht zum Standort.“
Arbeitnehmer und Unternehmensführung haben gestern auch Details zu einem Zukunftstarifvertrag bekannt gegeben. Der lässt jedoch weiter Spielraum für mögliche Standortschließungen und auch betriebsbedingte Kündigungen. Dementsprechend war rund um das Osram-Werk nicht nur Erleichterung zu spüren. „Die Unsicherheit ist natürlich nach wie vor da“, sagte ein Entwicklungsingenieur nach der Betriebsversammlung. Seit 30 Jahren ist er im Konzern. Er beobachtet die Branche genau. „Der Markt ist im Umbruch.“ Und genau das macht dem Augsburger Osram-Standort seit Jahren zu schaffen.
Denn hier werden vor allem Leuchtstoffröhren und Sparlampen gefertigt. Noch werden sie gut nachgefragt. „Wir sind voll ausgelastet“, berichtete Sattler. In Augsburg sind es etwa 1500 Mitarbeiter, in Schwabmünchen rund 450. Sogar Leiharbeiter werden derzeit benötigt. Doch wie lange? Hochmoderne LED-Leuchten könnten den herkömmlichen Sparlampen bald den Rang ablaufen und für die Augsburger Osram-Leute zur Gefahr werden. Seit Jahren wird vor einem Ausbluten des Standortes gewarnt.
Für zusätzliche Unruhe sorgte im vergangenen Jahr die Ankündigung der Konzernmutter Siemens, sich von Osram trennen zu wollen und die Tochter an die Börse zu bringen. Das Vorhaben verzögerte sich. Obendrein droht Osram im Falle „marktbedingt notwendiger Anpassungen“ mit betriebsbedingten Kündigungen. In Augsburg und Schwabmünchen wären bis 2014 450 Jobs betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen „möglichst ausgeschlossen werden“, heißt es. Mehr nicht. Unsichere Zeiten also für die Mitarbeiter.
Betriebsrat und IG Metall hatten die Unternehmensspitze zuletzt mehrmals aufgefordert, für Klarheit zu sorgen: Wie kann es in Augsburg weitergehen? „Wir wollen die Belegschaftsstärke halten“, bekräftigte Thomas Kalkbrenner von der IG Metall auch gestern. „Aber das geht nur mit Investitionen.“ Fest zugesagt hat Osram die noch nicht. Die Hoffnung bei Betriebsrat und Gewerkschaft ist aber groß, dass eine Fertigungslinie für Leuchtstoffröhren umgebaut werden könnte. Dann würde in Augsburg eine etwas kleinere, energiesparendere Lampe gefertigt. „Diese grüne Technologie hat Zukunft“, sagt Sattler. Sie könnte dafür sorgen, dass der für Augsburg geplante Stellenabbau deutlich geringer ausfällt. Und sie könnte auch dem Werk in Schwabmünchen, in dem Vorprodukte für die Augsburger Produktion gefertigt werden, eine Perspektive geben.
Doch die Verantwortlichen sind sich einig: Auch dabei handelt es sich nur um eine „Brückentechnologie“, die in einigen Jahrzehnten überholt sein könnte. „Zur Sicherung des Standortes brauchen wir eine ganz neue Technologie“, sagte Kalkbrenner. Schon jetzt würden intern Experten an Konzepten arbeiten und sie der Unternehmensleitung vorlegen. Sattler rechnet für die nächsten Wochen mit einer Entscheidung. Und Gewerkschafter Kalkbrenner droht: „Wenn dann nichts passiert, werden wir auf die Straße gehen.“ "Seite 8