Eines Tages dann hatte er im Weißenburger Hof in Pfersee mehr Glück. Den beiden Männern fielen drei Frauen auf, eine davon war Elfriede, seine spätere Ehefrau. Er lud sie ein, mit ihm zu tanzen. Das war 1948. Zwei Jahre darauf heirateten sie. Am heutigen Donnerstag feiern die beiden ihre Diamantene Hochzeit. Dass sich die Lebenswege der beiden kreuzten, war keine Selbstverständlichkeit.
Wegen der Arbeit nach Augsburg
Noch kurz bevor sich die beiden kennenlernten, lebte sie im Erzgebirge. "Mein Arbeitgeber LBO Strümpfe hat seinen Standort nach Augsburg verlegt und ich bin mitgegangen", sagt die 88-Jährige. Der erzgebirgische Dialekt ist ihr nach wie vor anzuhören. Er selbst kehrte nach fünf Jahren Krieg und Gefangenschaft nach Augsburg zurück.
Dass die beiden vor 60 Jahren im Dezember heirateten, hatte vor allem praktische Gründe, berichtet der Ehemann, der in der Kammgarn-Siedlung (heutiges Textilviertel) aufwuchs. "Wir brauchten eine Wohnung und ohne Ehering oder Kind gab es keine Chance, von der Stadt eine zu bekommen." Nachdem sie zunächst bei Bekannten unterkamen, wurde ihnen dann eine Wohnung in der Volkssiedlung in Haunstetten zugewiesen. Anschließend zogen sie noch einmal um, in eine Wohnung der Eisbahn in der Gabelsberger Straße, wo sie 44 Jahre lebten. Die Wohnung besorgte Ludwig über seinen Arbeitgeber. Er arbeitete im Fahrdienst der Deutschen Bahn. "Das war nicht immer einfach für die Familie, weil ich viel unterwegs war. Wäre meine Frau nicht so bodenständig und hätte mitgezogen, hätte das nie geklappt", ist er sich sicher. 1959 gab sie ihren Beruf auf und kümmerte sich um den damals zweijährigen Sohn. Später kam noch eine Tochter hinzu.
Als Ausgleich zu seinem Beruf verbrachte Ludwig Winkler viel Zeit in seinem Garten nahe dem Rosenaustadion. Dieser sei sein "ein und alles" gewesen, bekennt der 87-Jährige. Seine Frau las derweil Bücher, strickte oder heckelte. Die Leidenschaft fürs Gärtnern ließ sich Winkler auch nicht nehmen, als das Paar 2008 aus gesundheitlichen Gründen in den Anna-Hintermayr-Stift zog. Beherzt griff er in seinem neuen Domizil zur Schere und schnitt die Hecke hinter ihrem Bungalow.