Im vergangenen Herbst und Winter sorgte in Augsburg eine Serie von 92 Wohnungseinbrüchen, immer während der abendlichen Dämmerung verübt, für Aufsehen. Auf Fahndungsplakaten suchte die Polizei nach dem inzwischen festgenommen Täter. Seit gestern wird vor einem Schöffengericht gegen drei seiner mutmaßlichen Helfer verhandelt. Unter ihnen ist auch ein Augsburger Rechtsanwalt. Als einziger Angeklagter legte der 54-Jährige gleich zu Prozessbeginn ein Geständnis ab.
Demnach ist der Anwalt im Februar mit Teilen der Beute im Auto seelenruhig durch Augsburg gefahren. Davon, dass die Polizei nach der Festnahme eines Tatverdächtigen zu dem Zeitpunkt fieberhaft nach gestohlenem Schmuck und Uhren suchte, worüber auch unsere Zeitung mehrfach berichtet hat, will der Angeklagte nichts mitbekommen haben. „Wissen Sie“, versuchte er dem Gericht zu erklären, „ich bin ein etwas kontaktscheuer Mensch.“
So will er zunächst auch ahnungslos gewesen sein, was den Inhalt einer Reisetasche und eines Koffers betraf. Auf Bitten seines Cousins, der wegen versuchter Strafvereitelung jetzt ebenfalls vor Gericht steht, habe er das Gepäck bei ihm abgeholt. Er habe vermutet, es gäbe Probleme mit der Ausländerbehörde. Der mit ihm durch eine Heirat verwandte Kosovare ist auch sein Mandant gewesen. Der 29-Jährige hielt sich nach Ablauf seines Touristenvisums illegal in Deutschland auf.
Spätestens als der Anwalt Zuhause Koffer und Reisetaschen öffnete und er unter Kleidungsstücken auf mehrere Schmuckstücke und Uhren stieß, hätten ihm jedoch Zweifel gekommen sein können. Der Angeklagte bestätigte den Vorwurf aus der Anklage, wonach er sämtlichen Schmuck am nächsten Tag in seine Kanzlei gebracht hatte, wo ihn Kriminalbeamte Wochen später fanden. Am Telefon habe ihm sein Cousin verraten, es sei „etwas schiefgelaufen“ , ohne dabei konkreter zu werden. Was er damit begründete, die Polizei könne das Gespräch mithören.
Das war bei einem weiteren Telefonat dann auch der Fall. So waren die Ermittler in der Leitung und hörten, wie der Kosovare dem Anwalt ausdrücklich bestätigte, dass er Schmuckstücke aus Einbrüchen bei sich verwahre. Der mutmaßliche Serieneinbrecher saß da schon in Untersuchungs-Haft. In einem zweiten Prozess steht er gegenwärtig vor dem Landgericht.