In Woche vier des Rauchverbots ziehen die Wirte vorsichtig Bilanz: Es ist für viele nicht so schlimm gekommen, wie vermutet. Dass in den Gaststätten weniger los ist, habe andere Gründe. Und außerdem hat das Rauchverbot ungeahnte Vorteile. Von Lea Thies Von Lea Thies


Von Lea Thies
In Woche vier des Nichtraucherschutzgesetzes ziehen die Wirte vorsichtig Bilanz: Es ist für viele nicht so schlimm gekommen, wie vermutet. Die Umsätze seien nicht wie befürchtet eingebrochen, sagen einige. Dass in den Gaststätten weniger los ist, liege an der Sauren-Gurken-Zeit zwischen Silvester und Fasching.
"Die Raucher nehmen das Verbot gut an, gehen freiwillig zum Rauchen nach draußen", sagt Harry Winderl vom Thorbräukeller. Das gleiche haben Leo Dietz ("Peaches", "Deed's"), Werner Bahrmann ("Barfly), Franz Fischer ("Thalia Kaffeehaus") festgestellt. Auch, dass einige Nichtraucher nun häufiger weggehen.
Diese Wirte sind nicht unglücklich mit dem Verbot. Für die Angestellten sei das rauchfreie Arbeiten jetzt wesentlich angenehmer. "Jetzt merken wir erst, was wir am Wochenende für Schadstoffe eingeatmet haben", sagt Luciano Bellano vom Barfly. Ein Vorteil, den sicher der Gesetzgeber nicht bedacht hat: den Flirtfaktor. Franz Fischer hat festgestellt, dass die "Draußen-Raucher" schneller ins Gespräch kommen. Ein Nachteil am Verbot: Jetzt, wo nicht mehr alles vom Nikotingeruch überlagert ist, fallen auch unangenehme Körpergerüche wesentlich stärker auf.
Kritik am Nichtraucherschutzgesetz gibt es hauptsächlich noch von Wirten kleinerer Kneipen. Oliver Weisse, Besitzer der Rio-Bar (Heilig-Grab-Gasse), bemerkt Umsatzeinbrüche. "Unter der Woche ist es eine Kathastrophe", sagt er. Seine Stammgäste sind Zigarrenraucher - sie gehen jetzt in Raucherclubs. Weisse lässt einen Anwalt prüfen, ob er seine Bar auch als solchen deklariert. "Doch da ist alles noch so schwammig", sagt er. Bahrmann sieht das ähnlich: "Es gibt da keine klare Linie und alle machen, was sie wollen." Er würde sich Infoveranstaltungen seitens der Stadt oder des Gaststättenverbandes wünschen.
Das Julep's am Zeugplatz hat nun ganz offiziell eine Art Raucherclub unter dem Namen "Verein für amerikanische und mexikanische Gastronomiekultur" eröffnet. Es gibt eine Satzung an der Tür und Zutritt nur mit Mitgliedsausweisen. Rund 2000 Mitglieder habe der Verein schon, pro Wochenende kämen zirka 280 neue hinzu, so Geschäftsführer Michael Hopper.
Ob ein Raucherclub ein eingetragener Verein sein muss, da scheiden sich die Geister. Ordnungsreferent Klaus Kirchner meint "ja", Gaststättenverbands-Bezirksgeschäftsführer Jochen Deiring "nein". Doch dieses Schlupfloch löst sich möglicherweise ohnehin bald in Rauch auf: Wenn erst die europäische Richtlinie zum Arbeitsnehmerschutz kommt, so Deiring, herrscht überall, wo Menschen in der Gastronomie arbeiten, Rauchverbot - auch in den Raucherclubs.
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