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29. Januar 2010 19:19 Uhr

Prominente Gäste und Künstler

Brecht-Festival in Augsburg eröffnet

Augsburg feiert seinen Bertolt Brecht. Mit prominenten Gästen und Künstlern wurde Freitagabend im Augsburger Rathaus das Brecht-Festival 2010 eröffnet. Von Miriam Zissler

Eröffnung des Brechtfestival Augsburg 2010: Die Sängerin Annett Louisan und Festivalleiter Joachim Lang. Bild: Alexander Kaya

Brecht - der verlorene Sohn Augsburgs. Selber hat Bertolt Brecht dieses Bild geflissentlich kultiviert. "Wir wissen aber heute, dass der Augsburger viel stärker an seiner Heimatstadt hing, als bisher angenommen wurde", betonte Wolfgang Heubisch, Minister für Wissenschaft und Kunst Freitagabend bei der Eröffnung des Brecht-Festivals 2010.

Es beruhe auf Gegenseitigkeit. Heubisch: "Und auch Augsburg hat seinen genialen Schriftsteller längst wiederentdeckt." Nicht zuletzt durch das Festival. Während es um 18 Uhr im Goldenen Saal des Rathauses beginnt, demonstrieren ein Dutzend Schüler und Studenten auf dem Rathausplatz. Sie wollen darauf hinweisen, dass der Bildungsprotest alles andere als vorbei ist, so Silvio Heidbüchel.

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Das bekommen auch die 500 Gäste im Goldenen Saal zu hören. Denn durch das Mikrofon der Demonstranten ist der Minister teils schlecht verständlich. Nach seiner Ansprache beenden die Studenten im kalten Graupelschauer ihren Protest. Zarte Töne schlägt da schon eher Annett Louisan an. Mit ihrer bekannt lieblichen Stimme singt sie "Erinnerung an Marie A." und die Seeräuber-Jenny aus der Dreigroschenoper. Sie fühlt sich durch Brecht inspiriert.

Eine Inspiration für Brecht war sicherlich die Schauspielerin Regina Lutz. Sie traf ihn erstmals am 7. Mai 1948. "Der erste Eindruck von ihm war vernichtend", sagt sie. Aber: Sobald sie für das Stück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" vorsprach war ihr "alles Wurst". "Ich hatte meinen Meister gefunden", so Lutz, die gestern "Der verderbten Unschuld beim Wäschefalten", singt.

Festivalleiter Joachim Lang kennt die Schauspielerin von Dreharbeiten. Er zeigt diverse Filmbeiträge. Das ist kein Zufall. Das Motto des diesjährigen Festivals lautet: "Die Kunst braucht den Film. Der Film braucht die Kunst." Eine Gattung, die dem Universalisten Bert Brecht so wichtig war. "Wenn er die heutigen Möglichkeiten der Medien gehabt hätte, dann wäre ihm das Herz aufgegangen. Es wäre ein El Dorado für ihn gewesen", sagt Lutz.

Das Festival vor Augen blicken die Redner in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft. OB Kurt Gribl erinnert, dass es bereits 1960 eine Brechtwoche gab - ein Akt von couragierten Personen. Heute würde die Stadt Brecht als Standortvorteil nutzen. Die Brecht-Experten Jan Knopf, Jürgen Hillesheim und Kulturreferent Peter Grab eint die Freude: Nach all der Vorarbeit beginne nun endlich das Festival. Anja Marks-Schilffarth führt durch das Eröffnungsprogramm, das durch seine Vielfalt besticht.

Diese setzt sich fort: Bis zum 10. Februar kann in Workshops, Film- und Theatervorführungen, bei Poetry-Slams, Konzerten oder Lesungen mehr über Bertolt Brecht erfahren werden. Weitere Höhepunkte sind die Brecht-Gala im Theater, bei der am 9. und 10. Februar Ben Becker, Heino Ferch und Milva auftreten werden, und die Verleihung des Brecht-Preises. Dieser geht an den Schriftsteller Albert Ostermaier.

Nach der rund zweistündigen Eröffnung gibt es einen Empfang. Viel Zeit bleibt den Gästen nicht, denn schon kurze Zeit später läuft das Festival auf vollen Touren. Regisseur Heinrich Broeler zeigt seinen Film "Bi und Bidi in Augsburg" im Thalia, "Abenteuer mit kühnen Wesen I" ist das Thema des Konzerts im Capitol. Miriam Zissler

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