Es herrscht dicke Luft wegen der Feinstaubwerte in Augsburg: Der Bund Naturschutz (BN) fordert die Stadt auf zu handeln, weil die zulässigen Werte auch in diesem Jahr überschritten seien. Gefordert wird bereits eine schnellere Verschärfung der Umweltzone. Die Zahlen, mit denen die Naturschützer operieren, will Umweltreferent Rainer Schaal (CSU) allerdings nicht anerkennen. Er verweist auf eine Ausnahmegenehmigung, die bis zur Jahresmitte für Augsburg gegolten habe: „Insofern liegen wir im gesetzlichen Rahmen.“
Fakt ist, dass mit Stand 1. Dezember der zulässige Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an der Messstation Königsplatz an 38 Tagen übertroffen wurde, an der Messstation Karlstraße sind es 35 Tage. Städte, die die 35 Tage überschreiten, müssen mit Strafen rechnen.
Umweltreferent Schaal macht auf Anfrage seine Rechnung für Augsburg auf: „Wegen des Luftreinhalteplans gab es für Augsburg und Umgebung eine Ausnahmegenehmigung.“ Diese sei von der EU-Kommission abgesegnet. Bis 10. Juni durfte der Grenzwert bei 75 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen. Laut Schaal wurde dieser Wert am Königsplatz dreimal übertroffen, in der Karlstraße sechsmal.
In der Zeit danach, als die Marke von 50 galt, gab es am Kö acht Überschreitungen und in der Karlstraße vier. „Augsburg muss nun Sofortmaßnahmen zur Luftverbesserung einleiten, um nicht weiterhin die Gesundheit der Augsburger Bürger unnötig aufs Spiel zu setzen,“ fordert BN-Landesbeauftragter Richard Mergner.
Als Sofortmaßnahme schlägt Paul Reisbacher, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Augsburg, eine Verschärfung der Umweltzone vor. „Fahrzeuge, die keine grüne Umweltplakette haben, dürfen ab sofort nicht mehr in die Innenstadt fahren“, so Reisbacher. Bisher sperrt die Umweltzone nur Fahrzeuge mit roter Plakette aus. Eine Verschärfung der Umweltzone habe in anderen Städten wie Berlin, Leipzig oder Hannover zu einer deutlichen Verbesserung der Luftsituation geführt, so Reisbacher.
Einer sofortigen Verschärfung der Umweltzone erteilt Schaal eine klare Absage. Frühestens ab Januar 2013 sollen Fahrzeuge mit der gelben Plakette ausgesperrt werden, dann hätten nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette oder einer Ausnahmegenehmigung Zufahrt. Ob es dazu kommt, lässt Schaal gegenwärtig offen: „Man muss fragen, ob diese Maßnahme verhältnismäßig ist.“