Ein Fall vom Augsburger Kö zeigt: Defibrillatoren, die einen Herztod verhindern können, werden selten genutzt und sind schwer zu finden. Von Von Jörg Heinzle

Alexander Ratschinskij hat im entscheidenden Moment alles richtig gemacht. Er rettete kurz vor Weihnachten einem 47-Jährigen das Leben, der mit Herzkammerflimmern in einer Tram am Kö zusammengebrochen war. Ratschinskij belebte ihn mit einer Herzdruckmassage wieder. Was der 18-jährige Schüler aber nicht wusste: In unmittelbarer Nähe befand sich auch ein Gerät, das genau für diesen Notfall gedacht ist - ein Defibrillator.
Mit Hilfe von Stromstößen kann dieses Gerät ein Kammerflimmern - Hauptursache des plötzlichen Herztods - beenden. Am Königsplatz wird schon seit einigen Jahren ein Defibrillator aufbewahrt, und zwar in den Betriebsräumen der Stadtwerke am Bahnsteig der Straßenbahnlinie 1. "Ein grünes Schild mit einem Herz und einem Blitz weist darauf hin", sagt Stephanie Lermen, die Sprecherin der Stadtwerke. "Wer es braucht, muss nur dort beim Verkehrsmeister klingeln."
Doch den allermeisten Passanten am Kö geht es so wie dem 18-jährigen Lebensretter. Sie wissen nichts von dem Gerät, das über Leben und Tod eines Menschen entscheiden kann. Diese Erfahrung hat auch Lothar Ellenrieder, der Chef des Rettungsdienstes beim Roten Kreuz in Augsburg, gemacht. "Im Ernstfall wissen die meisten nicht, dass es Defibrillatoren gibt und wo sie sind."
Ellenrieders Fazit: Bisher werden die Geräte nur "sehr selten" von Laien benutzt, die Erste Hilfe leisten. Anders sieht es bei den professionellen Helfern aus. "Alle Rettungsfahrzeuge sind mit Defibrillatoren ausgerüstet, sie kommen auch häufig zum Einsatz." Auch im aktuellen Fall am Kö war es so: Die Sanitäter, die nach wenigen Minuten vor Ort waren, setzten bei ihrer Behandlung sofort den Schockgeber ein. Der Königsplatz ist bei Weitem nicht der einzige Ort in Augsburg, wo inzwischen ein Defibrillator bereitsteht. Im Rathaus gibt es ein Gerät, in den Verwaltungsgebäuden am Rathausplatz und an der Blauen Kappe, im Alten Stadtbad und im Theater. Auch Firmen, Banken und Arztpraxen haben sich in den vergangenen Jahren damit ausgestattet. Doch im Ernstfall würde oft kostbare Zeit verstreichen, bis das Gerät eingesetzt werden kann. Beispiel Rathaus: Dort weist zwar ein Schild vor dem Gebäude auf den Defibrillator hin. Doch die Mitarbeiter des Shops im Eingangsbereich wissen nichts von dem Gerät. Erst nach einigem Suchen wird man neben dem WC im zweiten Stock fündig.
Die Geräte seien nach wie vor viel zu wenig verbreitet, sagt Lothar Ellenrieder. "Wenn man eines brauchen könnte, dann ist eben doch oft keines in der Nähe." Er meint: "Im Grunde bräuchte man in jeder Straßenbahn einen Defibrillator." In München ist in fast jeder U-Bahn-Station einer deponiert. Doch die Geräte sind mit Anschaffungskosten von rund 1000 Euro nicht gerade günstig. Und sie werden leicht zur Zielscheibe von Vandalismus. Geplant war auch einmal, alle Streifenwagen der Polizei auszustatten. Bislang ist das aber nicht geschehen.
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