So schnell kann es gehen: Bauzaun aufgestellt, Gerüstteile verzahnt und nach wenigen Stunden sieht auf dem Rathausplatz jeder – hier entsteht ein Stadion. Die Haupttribüne ragt bereits gestern Mittag an der Seite des Verwaltungsgebäudes empor, bis Freitag soll die Tribüne des Stadions, das dem Rosenaustadion ähneln wird, fertig sein.
Augsburg ist die einzige Stadt der neun Austragungsorte der Frauenfußball-Weltmeisterschaft, die ein eigenes städtisches Rahmenprogramm auf die Beine stellt und nicht auf das Angebot der FIFA zurückgreift. Für eine Vielzahl von Veranstaltungen wird dafür das Kulturstadion gebaut. Der Bau kostet rund 115000 Euro und wird durch ein Sponsoring der Stadtsparkasse Augsburg ermöglicht.
„Das Stadion ist genauso einzigartig, wie es auch ein Event in der Größenordnung der Frauenfußball-WM lange Zeit für Augsburg bleiben wird. Ich hoffe es wird zu einer Begegnungsstätte von Besuchern und Augsburgern werden“, sagt Richard Goerlich, Gesamtleiter des kulturellen Rahmenprogramms „City of Peace“.
Mit der Tribüne ist es aber noch lange nicht getan, so Manuel Schill, Technischer Leiter von „City of Peace“. Samstag und Montag installiert das Team des Messebauers Nüssli den Spielfeldunterbau. Kein einfaches Unterfangen. Schill: „Den Passanten fällt es vielleicht nicht so auf. Aber wir müssen für das Spielfeld eine Wölbung von einem Meter kompensieren.“
Gerüstteile mit verstellbaren Füßen machen es möglich. Auf das Gerüst wird ein klassischer Bühnenboden aus Pressspanbelag verlegt, darauf wird ein mit Granulat befüllter Kunstrasen platziert. Der Kunstrasen wird einiges aushalten müssen: Neben Soccer-Turnieren, wie dem internationalem Friedensturnier „Peace Cup“, werden von dem Spielfeld aus Besucher auch Konzerte wie „Carmina Burana“ oder „The Notwist“ verfolgen. Nachdem Tribüne und Spielfeld stehen, wird ab Dienstag die Licht- und Tontechnik installiert. „Die Beschallung soll in das Stadion hinein gerichtet sein und so wenig wie möglich nach außen dringen“, so Schill.
Der 25-jährige Veranstaltungskaufmann von der Firma musicmate arbeitet projektbezogen für die Stadt. Er verantwortet nicht nur den Bau des Kulturstadions; der Elias-Holl-Platz, der Stadtmarkt, der Annahof und viele weitere Standorte werden in das Rahmenprogramm mit einbezogen. „Die größte Herausforderung für mich ist es, eine Struktur in die technische Organisation der 96 Programmpunkte zu bekommen. Die Anlieferung von Baumaterial muss sichergestellt sein, Strom und Wasser sollen bereitstehen und die Abläufe müssen mit dem Ordnungsamt koordiniert sein“, so Schill.
Aber auch der Bühnenbau hat es in sich: Während „City of Peace“ wird die Bühne beinahe täglich umgebaut. „Für die Pop- und Rock-Veranstaltungen verkleinern wir die Fläche, für die klassischen Konzerte müssen weitere Podeste zur Verfügung gestellt werden. Bei dem Abschlusskonzert stehen 400 Musiker auf der Bühne.“
Am Sonntag, 10. Juli, ist das WM-Programm beendet. Der Abbau wird um einiges schneller vorangehen müssen als der Aufbau: Bereits am 12. Juli tritt die Big Band der Bundeswehr zugunsten des Baus der neuen Kinderklinik auf dem Rathausplatz auf.