Wer das schmucke Häuschen in einer der kürzesten Straßen Augsburgs - der Schärtlstraße - betritt, versteht, warum sich der Kriegshaberer darin so wohl fühlt. Im Wohnzimmer, den Räumen im ersten Stock und im Gartenatelier sind viele Gemälde zu entdecken. Sie alle tragen die Handschrift seines Vaters Karl Radinger, der unter anderem die Dreifaltigkeitskirche ausmalte. 1966 starb der Künstler an den Folgen eines Unfalls.
Sohn Bernhard ist nicht in seine Fußstapfen getreten. Als Fotograf und Kameramann stand er fast 40 Jahre im Dienst der MAN. In seiner Freizeit profitieren die Kriegshaberer von seinen Fähigkeiten: Als er vor 30 Jahren anfing, Dias und Fotos aus dem Stadtteil zu sammeln und zu archivieren, klebte er diese nicht einfach ins Album, sondern gestaltete daraus eine Multimediaschau. Jetzt, im Vorruhestand, unterstützt Bernhard Radinger das Stadtarchiv und einen Autor mit seinem Stadtteil-Wissen und -Fundus. Nie würde der 62-Jährige seinem Kriegshaber den Rücken kehren: "Ich möchte hier nicht weg. Ich habe meine Freunde hier und kenne viele Leute."
Nach dem Vater benannt
Lebhaft erinnert sich Radinger an die Zeiten, als die Straßen ringsum noch unbebaut waren, und an die Amerikaner, auf deren Spielplätzen er als Bub herumtollte. Den Wandel im Stadtteil und die Pläne für das Reese-Areal beobachtet der Fotograf mit Interesse. "Eine Straße auf dem Kasernengelände soll nach meinem Vater benannt werden", freut er sich. Auch das geplante Nahversorgungszentrum und das Bürgerbüro in der Kuka-Halle seien nur von Vorteil. Denn bei aller Liebe für die Geschichte, blickt Bernhard Radinger doch erwartungsvoll in die Zukunft seines Stadtteils.