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Premiere: Der Zahn in der Suppe

Premiere

Der Zahn in der Suppe

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    Männer spielen Frauen: In Roland Schimmelpfennigs „Der goldene Drache“ übernehmen die Schauspieler zur Verfremdung gegensätzliche Rollen – wie hier Klaus Müller und Martin Herrmann, die im Asia-Imbiss bei Florian Innerebner zu Gast sind. Das Lachen bleibt einem oft allerdings im Halse stecken.
    Männer spielen Frauen: In Roland Schimmelpfennigs „Der goldene Drache“ übernehmen die Schauspieler zur Verfremdung gegensätzliche Rollen – wie hier Klaus Müller und Martin Herrmann, die im Asia-Imbiss bei Florian Innerebner zu Gast sind. Das Lachen bleibt einem oft allerdings im Halse stecken. Foto: Foto: Nik Schölzel/Theater Augsburg

    Die Geschichte schwankt zwischen Tragik und Komik, als der kranke Zahn in Gericht Nummer 6 landet: Thai-Suppe mit Hühnerfleisch, Kokosmilch, Thai-Ingwer, Tomaten, Champignons, Zitronengras und Zitronenblättern (scharf). Solche Szenen in Roland Schimmelpfennigs „Der goldene Drache“ erinnern an Slapstick. Man würde grinsen, würde der ernste Hintergrund des Stücks nicht dazu führen, dass einem das Lachen immer wieder im Halse stecken bleibt.

    „Der goldene Drache“ ist das bekannteste Stück von Schimmelpfennig, der zu den meist gespielten zeitgenössischen Dramatikern in Deutschland gehört. Von Samstag an ist es im Textil- und Industriemuseum (tim) in der Regie von Ramin Anaraki zu sehen, einem 32-Jährigen,derin Augsburg zuletzt „Der kleine Vampir“ inszeniert hat.

    Schauplatz des Stücks ist ein Haus irgendwo in Westeuropa, vielleicht Deutschland. Im Erdgeschoss befindet sich das China-Thai-Vietnam-Restaurant „Der goldene Drache“, darüber liegen fünf Wohnungen, in denen sich fünf Leben abspielen: Eine Frau trennt sich von ihrem Partner, ein alter Mann weint seiner Jugend nach, eine Stewardess bekommt Hunger...

    „Es sind ganz alltägliche Vorgänge“, erzählt Anaraki, aus denen Schimmelpfennig einen Mikrokosmos geschaffen hat. Im Asia-Imbiss berühren sich die Parallelwelten von Einheimischen und illegal Eingewanderten. Zwischen Kühlschrank und Wok entwickelt sich ein Drama um einen chinesischen Koch ohne Aufenthaltserlaubnis und Krankenversicherung. Er hat furchtbare Zahnschmerzen, kann aus besagten Gründen aber keinen Arzt aufsuchen. Nachdem ihm die anderen Köche mit einer Rohrzange helfen, verblutet der Chinese.

    Fahrbare, überdimensionierte Regale mit Tetrapacks

    Sein kariöser Zahn, der sich später im Abendessen einer Stewardess wiederfindet, ist verbindendes Element in „Der goldene Drache“. Die Geschichten der Hausbewohner verweben sich miteinander. „Nach und nach wird klar, wie alles zusammenhängt“, erzählt Dramaturg Roland Marzinowski. Es entspinnt sich eine Geschichte um Einwanderung und Globalisierung, Glück und Leid, Träume und Albträume, die oft nah beieinanderliegen. „Diese Themen werden angedeutet, ohne dass das Stück plump bedeutungsschwanger ist“, sagt Regisseur Ramin Anaraki.

    Das Bühnenbild von Tatjana Kautsch soll die Globalisierungs-Thematik stützen: Fahrbare, überdimensionierte Regale stellen zum einen die Lagersituation des Asia-Restaurants dar; zum anderen werden in den einzelnen Regalfächern die Wohnungen angedeutet. Der Bühnenboden ist ausgelegt mit bunten künstlichen Tetrapacks.

    Wie von Schimmelpfennig vorgesehen, nutzt Regisseur Anaraki den Verfremdungseffekt: Fünf Schauspieler – zwei Schauspiel-Absolventen und drei Ensemblemitglieder des Theaters – spielen eine Vielzahl von gegensätzlichen Rollen: Der Schauspieler des „Jungen Manns“ spielt auch einen Opa. Männer treten als Stewardessen auf. Ein reifes Paar mimt ein junges Pärchen.

    „Der goldene Drache“ enthalte surreale Elemente, sagt der Regisseur, zeigt Dramatisches mit komödiantischen Elementen. „Das Tolle ist, dass sich beides nicht ausschließt“, so Anaraki. Das Stück erzähle, wie Leben ist, mal lustig, mal tragisch.

    Ramin Anaraki hat für die Augsburger Aufführung kaum etwas an der Vorlage Schimmelpfennigs geändert. Sie sei sehr musikalisch gearbeitet, Streichungen verletzten nur den Rhythmus des Texts. „Es gibt kaum einen überflüssigen Satz.“ In nur 90 Minuten werden die Szenen aus Imbiss und Wohnungen sehr straff aneinander geschnitten, dazwischen „Die Fabel von der Grille und der Ameise“ erzählt. Auch die Tiere verschmelzen mit der Handlung des Stücks, erst nach und nach merkt man, wer die Grille und wer die Ameise ist, merkt, dass die Geschichte eigentlich gar keine Fabel ist.

    „Das Stück birgt viele Geheimnisse“, sagt Ramin Anaraki nur. Der Zuschauer sei als Spurensucher unterwegs. Ein Spurensucher in einem Theaterstück ähnlich einer Thaisuppe, die trotz milder Kokosmilch einen scharfen, bitteren Beigeschmack hinterlässt.

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