Max11 ist abgesagt. Politik und Veranstalter suchen nach Erklärungen. Und immer wieder ist dabei von Duisburg die Rede, von dem Drama bei der Love-Parade im Sommer 2010. Bei einer Massenpanik in einem Tunnel waren 21 Menschen gestorben. Seitdem herrsche „ein gewisses Angstpotenzial“, die Bereitschaft, Risiken einzugehen, sei deutlich gesunken, erklärt Heinz Stinglwagner von der City-Initiative Augsburg (CIA). Auch bei Max11.
Gescheitert sei die Organisation des Festes letztlich vor allem an einem: an der „Angst vor der Verantwortung“ der Beteiligten. So formulierte es zumindest Rainer Schaal, der derzeitige Leiter des Ordnungsreferates. Seine Behörde ist für die Genehmigung von Veranstaltungen zuständig und damit auch für die Sicherheitsauflagen. Für das Maxfest 2011 sollten schärfere Auflagen gelten. Denn 2010 waren 165000 Menschen gekommen – zu viele angesichts der Größe des Veranstaltungsgeländes, meinten Experten. Deswegen wollte man das Fest entzerren, die Partyzone vergrößern.
Als im Februar das neue Konzept stand, ging es erst einmal ums Geld. Denn das Mehr an Sicherheit kostete. Die Stadt war bereit, eine Ausfallbürgschaft von 188000 Euro zu gewähren. Die Hälfte davon wäre wohl fällig geworden. Und dann wurde an den Details des Festes gefeilt. Zug um Zug wurden die entsprechenden Sicherheitsauflagen erarbeitet – immer in Abstimmung mit dem Veranstalter, wie es heißt. Sicherheitsbehörden wie Polizei und Feuerwehr gaben dabei Empfehlungen ab. Einen ganzen Katalog davon hat nun die CIA erhalten. Einen Katalog, den sie nach eigener Aussage nicht umsetzen könne.
Bei der Polizei – laut Schaal sei ein Teil der neuen Auflagen von ihr angeregt worden – wundert man sich über den Rückzug der CIA. Es schien „soweit alles in trockenen Tüchern“, sagt Präsidiumssprecher Udo Dreher. Entschiedene Forderung der Polizei sei von Anfang an die Entzerrung des Festes gewesen, zuletzt habe man nur auf Kleinigkeiten wie auf einen Lautsprecher für Notfalldurchsagen gedrängt. „Das ist aber nichts, was man bei einer Großveranstaltung zusätzlich einkalkulieren muss“, sagt Dreher.
Schaal bestätigt die CIA-Aussage, wonach nicht abgesprochene Vorkehrungen in den Katalog aufgenommen wurden. Und er sagt: „Es ist fraglich, ob jeder Auflagenbestandteil rechtmäßig ist und dem Veranstalter auferlegt werden kann.“ Deswegen sollte die CIA nun im weiteren Verfahren Stellung dazu nehmen. Doch auf diese Möglichkeit verzichtet sie – und sorgt damit für das Maxfest-Aus.
Für Stinglwagner ist klar: Eine Diskussion über geforderte Sicherheitsvorkehrungen ist problematisch. Was passiert, wenn man sich gegen Auflagen wehrt und es tatsächlich zu einem Unglück kommt? Wer wird dann zur Verantwortung gezogen? „Wenn die CIA mit den Sicherheitsanforderungen nicht zurechtkommt beziehungsweise diese als zu teuer oder unkalkulierbar bewertet werden, dann ist das für mich nachvollziehbar und eine verantwortungsvolle Entscheidung“, sagt OB Kurt Gribl.
Und wenn sich künftig kein Veranstalter mehr findet, der mit den Sicherheitsanforderungen klarkommt? Mit dieser Frage wird sich künftig Volker Ullrich beschäftigen müssen. Er ist ab 1. Juli Ordnungsreferent. Kritik an Schaal will er nicht üben. Aber für ihn ist klar: „Politik ist da, um Verantwortung zu übernehmen.“ Großveranstaltungen dürften nicht an Auflagen scheitern. „Es kann nicht sein, dass in Augsburg auf absehbare Zeit kein Straßenfest mehr stattfindet.“ Er will sich nach seinem Amtsantritt mit den Verantwortlichen an einen Tisch setzen und Lösungen finden. In einer Pressemitteilung erklärt die CIA, man plane „für die Zukunft ein neues Konzept eines Stadtfestes“.