Der Unterschied könnte nicht größer sein: An der Uni und an der Hochschule sind so viele Studenten unterwegs wie noch nie. Von den über 22 000 jungen Leuten, die in Augsburg studieren, ist in der Innenstadt aber so gut wie nichts zu sehen. Bislang gab es immer nur eine Vermutung: Die meisten auswärtigen Studierenden wollen mit Augsburg nichts zu tun haben. Sie fahren gleich nach den Vorlesungen heim. Neue Zahlen zeigen einen anderen Trend. Der Anteil der Studierenden, die in Augsburg wohnen, sei in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen, sagt Uni-Pressesprecher Klaus Prem.
Wer ist Heimfahrer? Und wer wohnt in Augsburg? Zu dieser Frage veröffentlichen die Universität und die Hochschule jetzt zum ersten Mal statistisches Material. Danach wohnen im laufenden Wintersemester über 34 Prozent der Studenten an der Universität auch in der Stadt. „Die Anteile der in Augsburg gemeldeten Studierenden sind zwischen 2000 und 2005 signifikant gewachsen“, sagt Prem. Seither hat sich die Zahl der (Wahl-)Augsburger bei einem guten Drittel eingependelt.
Einen Ausreißer gibt es heuer lediglich bei den Studienanfängern. Dort nahmen die Nicht-Augsburger wieder deutlich zu. Über die Gründe kann man an der Uni nur spekulieren. Prem vermutet eine „temporäre Erscheinung“, die mit dem doppelten Abiturjahrgang zu tun haben könnte.
Und wie sieht es an der Hochschule aus? Dort kann man keinen längerfristigen Trend über die Jahre hinweg nennen, nur eine aktuelle Zahl. Danach sind knapp die Hälfte der Studierenden sogenannte Heimfahrer. Auffällig sei aber, dass mit zunehmender Studienzeit ein Umzug nach Augsburg erfolgt, heißt es in der Pressestelle.
Projekte und Engagement für die Stadt nehmen zu
Von den Studenten im Masterstudium sind nur noch ein Drittel Heimfahrer. „Gerade unsere Gestalter suchen das städtische Umfeld und brechen die Zelte auch nicht gleich nach dem Studium ab“, sagt Hochschulsprecher Tobias Weismantel.
Ist die Universitätsstadt Augsburg für junge Leute von auswärts heute attraktiver als früher? Dazu gibt es unterschiedliche Einschätzungen. „Nach meinem Eindruck gibt es nach wie vor sehr viele Heimfahrer, die freitags mit dem Koffer in den Zug steigen und erst montags wiederkommen“, sagt Felix Senner, Studentenvertreter an der Uni. Auch die Parkplätze rund um die Universität seien immer voll. Dennoch beobachtet Senner parallel eine zweite Entwicklung. „Die Uni nähert sich der Stadt an.“ Nach seinem Eindruck beteiligen sich inzwischen mehr Studierende an Projekten in den Bereichen Bildung und Soziales, die in der Stadt eine gewisse Wirkung entfalten. „Und mit dieser Entwicklung sind wir noch nicht am Ende“, glaubt Senner.
Ähnliche Beobachtungen macht Pressesprecher Weismantel an der Hochschule. Studierende und Professoren seien zunehmend in der Stadt aktiv. Seien es Untersuchungen der Wirtschaftswissenschaftler zur Attraktivität des Plärrers oder der Freilichtbühne am Roten Tor, sei es der Orangerie-Verein der Gestalter mit kulturellen Angeboten, oder seien es die Maschinenbauer, die beim Augsburger Friedensmarathon mitlaufen.
Gerade auch das Augsburger Nachtleben wäre ohne die 22 000 Studenten wohl ziemlich fade. „Für die Szene-Gastronomie sind sie ein wichtiger Faktor“, sagt Richard Goerlich, städtischer Popkulturbeauftragter und Inhaber vom „Schwarzen Schaf“ und „Weissen Lamm“. Viele Klubs richten ihren Partykalender nach den Vorlesungszeiten an den Hochschulen aus, so Goerlich. In den Semesterferien gehe der Umsatz spürbar zurück. Sehr viele Studierende jobben auch in der Augsburger Gastronomie. Sie arbeiten als DJ oder gründen eigene Bands.
Nach Goerlichs Einschätzung sieht man die Studenten zwar wenig im Stadtbild, weil die Universität weit weg vom Zentrum liegt. Das sei ein gewisses Manko. Trotzdem sei diese jungen Leute in Augsburg sehr präsent. Sein Fazit: „Man sieht sie nicht, aber sie wirken. Und ohne die Studenten wäre das hier alles nichts.“ "Meinung