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21. März 2008 20:10 Uhr

Prozess gegen Bordellbetreiber

"Die Mädchen hat man wie ein Stück Dreck behandelt"

Die Bordelle "Colosseum" (Augsburg) und "Morgenland" (Ulm) firmierten als private FFK-Clubs. Doch hinter den Mauern spielten sich schlimme Szenen ab. Die Prostituierten wurden sexuell ausgebeutet. Von Peter Richter Von Peter Richter,

Von Peter Richter, Augsburg

Am 3. April beginnt vor dem Augsburger Landgericht ein mehrwöchiger Prozess gegen die Betreiber der Großbordelle "Colosseum" (Augsburg) und "Morgenland" (Ulm), die seit April 2007 in U-Haft sitzen.

Die vier Angeklagten, drei Männer und eine Frau, sind des schweren Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung sowie der Zuhälterei angeklagt. Drei von ihnen sind Ungarn. Beide Bordelle werden von einem deutschen Geschäftsführer geleitet. Der 41-Jährige wohnte bis zu seiner Festnahme im Augsburger Hotelturm. Zwei Prozesse gegen Randfiguren aus dem Milieu, zuletzt Donnerstag dieser Woche, lieferten bereits erste Einblicke, mit welchen Methoden die aus Osteuropa stammenden jungen Frauen gefügig gemacht wurden.

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So eine 20-Jährige, für die Opferanwältin Marion Zech vor Gericht als Nebenklägerin auftrat. Die junge Frau hält sich heute aus Angst vor Repressalien in Ungarn versteckt. Ihr blieb ein Auftritt als Zeugin vor Gericht erspart, da der Angeklagte, ein Ungar aus Pecs, vorab ein Geständnis angekündigt hatte. Der 36-Jährige, ein in seiner Heimat arbeitslos gewordener Koch, war für die Bordellbetreiber vier Mal als Fahrer und Geldbote unterwegs gewesen.

Die 8. Strafkammer verurteilte ihn am Donnerstag zu zwei Jahren Gefängnis, von denen er durch die Untersuchungshaft elf Monate bereits verbüßt hat. Das Urteil soll "auch ein Zeichen setzen", so Vorsitzender Richter Wolfgang Rothermel, "dass man in Deutschland mit Frauen nicht so umgehen kann." Das Gericht lehnte ab, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, obwohl der Angeklagte (Verteidigerin Carolin von Hohenhau) nicht vorbestraft ist.

Sie werden an andere Clubs als "Frischfleisch" verliehen

Bis zu ihrer Festnahme im April 2007 hatte die Polizei Telefongespräche der Angeklagten überwacht. "Die Mädchen hat man wie ein Stück Dreck behandelt", sagte ein als Zeuge geladener Ermittler erkennbar erschüttert aus. In allen Fällen kommen diese Frauen aus einfachsten Verhältnissen. Sie sprechen so gut wie kein Deutsch, kennen ihre Rechte nicht und sind ortsfremd. Obendrein werden sie von ihren "Besitzern" monatsweise als "Frischfleisch" an andere Bordells in Italien, Österreich und Belgien ausgeliehen.

So war es bei der 20-Jährigen, die in Ungarn in einem Kinderheim aufwuchs. Mit 18 lernt sie einen Landsmann kennen und lieben, der sie auf den Strich schickt. Und als sie erste Erfahrungen in dem Gewerbe gemacht hat, wird sie an das Ulmer Bordell "Morgenland" vermittelt. Dort muss die junge Frau 13 Stunden am Tag anschaffen, sieben Tage die Woche. Alle Prostituierte sind angewiesen, ständig nackt zu sein. Nachts muss sie im Bordell schlafen. In einem Zimmer mit einer älteren Dirne, die sie überwacht, der sie bis auf das Zigarettengeld alle Einnahmen abzuliefern hat. Alle zwei Tage kommt ihr neuer Zuhälter vorbei und holt das Geld ab - bis die Polizei dem ein Ende bereitet.

Bis 2002 galt: Wer Prostitution förderte, stand bereits mit einem Bein im Knast. Doch eine Gesetzesänderung hat die bezahlte Liebe zu einem Gewerbe gemacht wie jedes andere auch. Womit es für Polizei und Justiz schwerer geworden ist, Fälle, in denen Frauen unter Zwang für Zuhälter anschaffen müssen, aufzudecken und zu bestrafen. So erregte es bundesweit Aufsehen, als im August 2006 die 8. Strafkammer des Augsburger Landgerichts unter Hinweis auf das neue Gesetz es ablehnte, gegen die Betreiber der beiden Großbordelle in Augsburg und Ulm den Prozess zu eröffnen.

Doch "Colosseum" und "Morgenland", die als privater FKK-Club auftreten, blieben weiter im Visier der Fahnder. Und diese hatten Glück: Vor einem Jahr packte eine der Frauen, die wie eine Sklavin gehalten wurde, als "Kronzeugin" aus. Polizisten und Staatsanwälte durchsuchten daraufhin mehrfach beide Etablissements sowie Wohnungen der Zuhälter, wobei sie auch Waffen sicherstellten.

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