Agenturchef Demel geht davon aus, dass gekündigte Mitarbeiter von Manroland, Osram und Nokia neue Arbeitsplätze finden
2011 war ein sehr gutes Jahr für den heimischen Arbeitsmarkt. Es sei „das beste der vergangenen knapp 20 Jahre gewesen“, sagte noch vor wenigen Wochen Reinhold Demel, Chef der Augsburger Agentur. Mittlerweile hat sich die Lage eingetrübt, mehr als 1000 Frauen und Männer in drei Unternehmen verlieren ihren Arbeitsplatz. Wir sprachen mit Reinhold Demel über die aktuelle Situation.
Manroland hat 740 Mitarbeitern gekündigt, bei Osram fallen 350 Stellen in Augsburg weg, Nokia Siemens wird sich vom Standort Augsburg mit 100 Mitarbeitern trennen. Wie kommen diese Botschaften bei Ihnen an?
Demel: Sie werden nicht mit großer Begeisterung aufgenommen. Sie machen uns auch betroffen, wobei man manches bei realistischer Einschätzung schon erwarten konnte. Manroland hatte über Kurzarbeit mit teils 1500 Mitarbeitern die schwierige Situation überbrücken können. Die Kurzarbeit galt für die maximal mögliche Zeit. Das war ein Signal, dass es dem Unternehmen nicht gut geht. Bei Osram und Nokia Siemens sieht es etwas anders aus. Es handelt sich um Unternehmensentscheidungen, die sich auf Augsburg auswirken.
Kann der Wirtschaftsraum diesen Personalabbau überhaupt verkraften?
Demel: Ich bin überzeugt, dass wir in der Region diesen Abbau verkraften können. Die Region ist gut aufgestellt. Es gibt in den Betrieben Facharbeitermangel. Die Firmen suchen händeringend qualifizierte Kräfte. Wir haben derzeit 5300 offene Stellen in der Region.
Wie reagiert die Arbeitsagentur auf die Entwicklungen in der Wirtschaft?
Demel: Wir laden die Leute ein, machen Beratungsgespräche. Wir entwickeln Vermittlungsstrategien, die auf die Qualifikation der Personen eingehen. Zudem gibt es eigens eine Jobbörse, die am 22. Februar in den Räumen der Agentur in der Wertachstraße stattfindet. Erfreulich ist, dass bereits jetzt 43 Unternehmen mitmachen. Bei Osram suchen wir jetzt als Erstes das Gespräch mit dem Betriebsrat, weil viele Details des Abbaus noch nicht feststehen.
Was sagen Sie einem Manroland-Mitarbeiter, der seinen Arbeitsplatz verloren hat, wenn es um dessen Perspektiven geht?
Demel: Es sind qualifizierte Mitarbeiter, die auf den Arbeitsmarkt kommen. Weil die Region stark auf die Elektro- und Metallindustrie setzt, gibt es für die Manroland-Mitarbeiter gute Chancen.
Gehen Sie davon aus, dass andere Firmen auch bald Arbeitsplätze abbauen?
Demel: Ich erkenne dafür momentan keine Anzeichen. Das schließt nicht aus, dass es immer einen Einzelfall geben kann. Insgesamt ist die Lage positiv. Dies zeigt sich bei der Kurzarbeit, die keine Rolle spielt.
Der Start in das Jahr begann für den Arbeitsmarkt nicht verheißungsvoll. Wie sieht Ihre Prognose für 2012 aus?
Demel: Die Region, die stark auf den Export setzt, ist entscheidend davon abhängig, wie sich die globale Entwicklung zeigt, insbesondere im europäischen Raum. Sollten sich die Rahmenbedingungen nicht nachhaltig verschlechtern, bin ich optimistisch. Interview: Michael Hörmann
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