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In Amerika ist der Fanfilm ein weitverbreitetes Phänomen. In Deutschland hingegen fristet er ein Nischendasein. Die Qualität dieser von Fans gedrehten Sequels ihrer Kinolieblinge ist dabei, abhängig von Budget und handwerklichem Können, sehr unterschiedlich. In diesem Sinne ist dem Fachverkäufer, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Marcel Cornelius aus Augsburg mit seiner Indiana-Jones-Version "Der Speer des Schicksals" ein kleines Wunder gelungen. Das zeigte die Aufführung seines Erstlingswerkes auf dem Rathausplatz. Von Erik Zwang-Eriksson
Drei Mal wurde "Der Speer des Schicksals" bereits auf dem diesjährigen Modular-Festival gezeigt, drei Mal waren die Vorstellungen ausverkauft. Dagegen war der Andrang auf dem Rathausplatz am vergangenen Freitagabend eher verhalten. Auf der großen Leinwand, die ansonsten für das Public Viewing der Fußball-WM zuständig ist, wurde das spannende Abenteuer gezeigt, an dem Cornelius und seine Crew viereinhalb Jahre lang gearbeitet hatten.
Da mutierte das Gögginger Parktheater zum Weißen Haus in Washington, das Augsburger Gaswerk wurde kurzerhand zum Unterschlupf des Bösen und das Rathaus musste natürlich sowieso der Gewalt der Schurken zum Opfer fallen. Auch wenn die Zuschauer es kaum glauben mochten, der Film, der einen sehr hollywoodnahen Eindruck hinterließ, ist komplett in Augsburg produziert worden.
"60 Prozent der Szenen sind natürlich mit Modellen gedreht worden", schmunzelte Protagonist Cornelius. "Dass er hier auf dem Rathausplatz gezeigt wird, ist eine tolle Sache." 70 Minuten dauert der wilde Streifen insgesamt, dessen Budget zu Beginn gleich Null war. "Am Ende musste ich sogar mein Motorrad verkaufen", erklärt Cornelius. Doch für ihn hat sich dieses Opfer gelohnt. "Ein kurzer Ausschnitt meines Filmes wird nun sogar auf dem Filmfest in München gezeigt werden, in kontinuierlichem Turnus", freut sich der junge Filmemacher. Das nächste Projekt steht auch schon an: "Ich schreibe gerade an einem neuen Drehbuch, einer Mischung aus Stirb Langsam und Blade Runner." Nachdem der Erstling, der auch auf dem Rathausplatz ein wenig Flair von Lechflimmern und Fribbemaxx verbreitete, umjubelt wurde, liegt die Messlatte für das neue Werk des enthusiastischen Filmfans hoch.
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