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Porträt: Ein Highlander auf dem Fahrrad

Porträt

Ein Highlander auf dem Fahrrad

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    Stefan Pritschet und sein Rennrad: Dieses Modell nutzt er in der Stadt. Für seine Touren auf der Landstraße nimmt er ein hochwertigeres Rad.
    Stefan Pritschet und sein Rennrad: Dieses Modell nutzt er in der Stadt. Für seine Touren auf der Landstraße nimmt er ein hochwertigeres Rad. Foto: Foto: Silvio Wyszengrad

    Von einem ausgezeichneten Radler darf man eigentlich erwarten, dass er – nach seiner Leidenschaft befragt – von den Vorzügen des täglichen Radfahrens schwärmt. Auf Stefan Pritschet trifft das auch zu. Der 37-jährige Abwassermeister radelt jeden Morgen von seinem Haus in Ostendorf bei Meitingen bis zum Betriebshof des Tiefbauamtes im Norden Augsburgs. Einfache Strecke: rund 30 Kilometer.

    Pritschet erzählt davon, dass es ihn zwar bei miesem Wetter auch Überwindung kostet, aufs Rad zu steigen. Meistens siege aber seine Selbstdisziplin, erklärt er. Für seinen Fleiß wurde er im Goldenen Saal ausgezeichnet. Während der drei Aktionswochen im bundesweiten Wettbewerb „Stadtradeln“ schaffte er 1435 Kilometer mit seinem Rennrad. Damit holte er sich den ersten Rang in Augsburg. Keiner legte einen längeren Weg zurück. Das ist nicht überraschend, schließlich unternimmt der 37-Jährige mit Freunden gerne Radtouren am Wochenende und lässt auch sonst das Auto stehen, so oft es geht.

    Doch die Begeisterung Pritschets für den Radsport ist nur die halbe Wahrheit. Das ständige Pedaletreten, gesteht er, sei nicht nur Selbstzweck, es liefere auch die körperliche Grundlage für seine eigentliche Leidenschaft: dem Training für sogenannte Highland Games. Im Hochland von Schottland (englisch: Highland) wurden einst Spiele entwickelt, die mittlerweile in den tiefen Ebenen Mitteleuropas angekommen sind. Zu dem Repertoire von echten Highlandern gehören unter anderem Disziplinen wie Steinstoßen, Hammerwerfen oder auch Gewichthochwurf. Pritschet bevorzugt in seinem heimischen Garten eher das Baumstämme werfen oder auch das Tragen von Steinkugeln: „Gerade wenn ich die schweren Steine weit tragen will, brauche ich eine gute Kondition.“ Ein paar Mal im Jahr trifft er sich mit Gleichgesinnten aus ganz Deutschland. „Bisher sind wir eine ganz kleine Gruppe, da kennt noch jeder jeden“, erzählt Pritschet.

    Er trägt lieber einen Schottenrock als einen Anzug

    Seine Begeisterung für die Highland Games beschränkt sich nicht nur auf die sportlichen Aktivitäten, die Kleidung der Schotten hat es ihm ebenfalls angetan. „Ich besitze nur ganz wenige Anzüge, stattdessen trage ich bei feierlichen Anlässen lieber den als Schottenrock bekannten Kilt samt Fliege und Jackett.“

    Und nur für dieses Hobby lohnt sich die tägliche Schufterei auf dem Fahrrad? „Ich bin beileibe kein extremer Radler, in meiner Rennradgruppe gehöre ich eher zu denen mit dem kleinsten Pensum“, beschwichtigt Pritschet. Für den ersten Platz beim Stadtradeln reichte es trotzdem. Er sei eben sehr ehrgeizig. Jedes Jahr, sagt er, möchte er etwa 3000 bis 5000 Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegen.

    Um die Vorgabe einzuhalten, zwingt er sich auch dann aufs Zweirad, wenn er vorher aus Zeitnot auf den Wagen umsteigen musste. Oft kommt das nicht vor. Nur im Winter, da lässt er sein Rad monatelang in der Garage stehen. „Morgens bei Dunkelheit auf der Landstraße in die Arbeit zu radeln, das ist mir einfach zu gefährlich.“

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