Oft nennt man sie die türkische Beyoncé, öfter wohl, als ihr lieb ist. In Interviews sagt Hadise dazu, dass sie keine Kopie sei, sondern für sich selbst steht. Doch aus dem Munde ihrer Fans in der Augsburger Sporthalle ist der Vergleich ein Kompliment: Dass sie, die belgisch-türkische Sängerin aus dem flämischen Mol, eben jenes Talent, jene Ausstrahlung, jenes gute Aussehen habe, wie die US-Popikone mit ihren starken Parolen und knappen Kleidchen.
Hierzulande mag Hadises Stern am Pophimmel noch nicht aufgegangen sein, doch in Belgien kennt man sie seit ihrer Teilnahme an „Idool“, dem flämischen Pendant zu Deutschland sucht den Superstar, im Jahr 2003. Obgleich sie vor dem Finale ausschied, gewann sie einen Plattenvertrag – und die Aufmerksamkeit der Türkei, die sie 2009 sogar für den Eurovision Song Contest in Moskau antreten ließ. Spätestens seit ihrem dortigen Auftritt und dem vierten Platz ist Hadise eine türkische Popinstitution.
1500 Zuschauer kamen
„Sie ist ein bisschen wie die türkische Nena“, sagt eine Besucherin am Freitagabend in Augsburg. „Die sang auch immer von Liebe, aber eben peppig.“ Im Rahmen des Programms zum 50. Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens holte der Augsburger Integrationsbeirat die singende Schönheitskönigin („Miss Mol“ 2002) in die Sporthalle. Man habe etwas für die jungen Leute machen wollen, erklärt Ahmet Akcay, Vorsitzender des Integrationsbeirats am Rande des Konzerts, denn: „Das hat bis jetzt immer gefehlt.“
Von den erwarteten 4000 Zuschauern sind jedoch lediglich 1500 erschienen. Vorn an der Bühne stehen die Jugendlichen, hinten sitzen die älteren Jahrgänge. Immerhin: Das Pop-Phänomen fasziniert alle Altersklassen. Und wer mit den Fans und Besuchern spricht, hört immer wieder: Sie sei talentiert, sie könne sehr gut singen und noch besser tanzen.
Melissa, 17, schätzt an der ehemaligen Marketingstudentin vor allem ihre Ausstrahlung, die Stärke und das Selbstbewusstsein. „Ich finde einfach toll, dass sich eine türkische Frau so etwas traut.“ Atiye, 31, wiederum begeistert an Hadise, dass sie beide Kulturen repräsentiere. Von guter Popmusik fühlen sich beide gleichermaßen angesprochen. Und wie ist das mit dem Jubiläum – 50 Jahre Anwerbeabkommen – das gefeiert werden soll? „Ehrlich?“, fragt Atiye. „Nein.“
Viele sind wie sie an diesem Abend nur gekommen, um Popmusik zu hören. Und genau das bietet Hadise auch: charmanten, elegant dargebotenen Pop mit starker Stimme und knappem Kleidchen. Bei so viel Entertainment gerät das Politische schnell ins Hintertreffen, man mag das bedauern. Bei dem koketten Lächeln Hadises kann man das aber auch wirklich schnell vergessen.