Wenn jemand einen Text in einem Buch veröffentlicht, schlägt das schnell Wellen. „Als wir das Buch bekommen haben, sind gleich ein paar Klassenkameraden zu mir gekommen, um mir zu sagen, dass meine Geschichte ausgewählt wurde.“ Daniel Grabs besucht die 9. Klasse der Bert-Brecht-Realschule und hat es in diesem Jahr mit seinem Gedicht „Unglück ist – Glück ist“ ins Augsburger Lesebuch geschafft.
Seit 2005 gibt es das Buch jährlich, mit Geschichten, Gedichten, journalistischen oder experimentellen Texten von Schülern und Berufsschülern, immer mit einem anderen Thema. Im Sommer 2011 kam das siebte Augsburger Lesebuch mit dem Titel „Glück“ heraus. Wer einen Text in dem Buch veröffentlichen will, muss wie Daniel beim Schreibwettbewerb des Projektes mitmachen und seinen Text einschicken. „Meine Lehrerin hatte zwei Unterrichtsstunden dafür eingeplant und am Ende unsere Texte eingesammelt und verschickt“, sagt Daniel. „Es kommen jährlich um die 1000 Einsendungen. 200 davon werden ausgewählt“, sagt Bernd Karl vom Bildungs- und Schulreferat Augsburg. Von der Brecht-Realschule wurden nur zwei Texte im Buch gedruckt. Aus Daniels Klasse, damals die 8d, war seiner der einzige. „Das war eine schöne Überraschung. Ich habe es zu Hause erstmal meiner Mutter gezeigt. Die war sehr stolz auf mich“, erinnert sich Daniel. Das Buch steht in seinem Bücherregal neben den anderen Augsburger Lesebüchern.
Aufsätze mag er eigentlich nicht
Nach der Schule will Daniel etwas Handwerkliches machen, Mechaniker oder Elektriker werden. „Das Gedicht war mehr so ein Gedankenblitz“, erklärt der 14-Jährige, den das Fach Deutsch nie wirklich begeisterte. „Aufsätze schreibe ich zum Beispiel gar nicht gerne.“ Das musste er auch nicht, als er einen Text zum Thema Glück verfassen sollte. Gemeinsam hatte sich Daniel mit seinem Sitznachbarn über die Gegensätze Glück und Unglück unterhalten. „Danach habe ich das Gedicht in zehn Minuten herunter geschrieben.“
Gertrud Hornung, die Projektleiterin und Lehrerin des Maria-Theresia-Gymnasiums freut sich über die rege Beteiligung an dem Buch. „Es ist ein riesiges Integrationsprojekt. An vielen außergewöhnlich guten und einfühlsamen Texten ist das Schulniveau nicht erkennbar.“
Daniel hat zwar seit letzten Sommer keine weiteren Gedichte geschrieben, aber das Projekt hat ihm gezeigt, wozu er in der Lage ist. Schließlich hat sich sein Gedicht sogar gegen die Texte gymnasialer Oberstufenschüler durchgesetzt. „Das hat mich schon sehr stolz gemacht.“ Daniel überlegt nun, einen weiteren Text für das kommende Augsburger Lesebuch zum Thema Zeitreise zu verfassen und einzuschicken.