Oft sitzt er zwölf Stunden am Tag im Büro. Die Arbeit nehme einfach kein Ende, sagt der 28-Jährige. Der junge Mann, der anonym bleiben will, ist Fertigungsplaner beim Automobilzulieferer Faurecia in Augsburg. Hinter dem Unternehmen – früher Zeuna Stärker – liegen turbulente Jahre. Jetzt geht es aufwärts. „Das Geschäft brummt“, berichtet der Mann. Die Belegschaft könnte eigentlich zufrieden sein. Doch die Stimmung gestern Nachmittag vor dem Werkstor war eine andere.
Überstunden und Wochenendarbeit: „Viele sind richtig angepisst“, berichtete der 28-Jährige. Jetzt wollen die Mitarbeiter auch finanziell am Aufschwung beteiligt werden. Beste Voraussetzungen also für die IG Metall, um die Faurecia-Mitarbeiter in der laufenden Tarifrunde zum Warnstreik zu mobilisieren.
Bayernweit waren am Mittwoch in 17 Unternehmen Aktionen angekündigt, in Augsburg neben Faurecia auch beim Motorenhersteller Renk. Es war die erste große Warnstreikwelle. Augsburgs IG-Metall-Bevollmächtigte Christiane de Santana war zufrieden. Die Beteiligung habe „deutlich über den Erwartungen“ gelegen. Nach Gewerkschaftsangaben haben sich etwa 800 Arbeitnehmer beteiligt. Bereits heute wird weiter gestreikt. Ausstände sind in Augsburg bei MAN, bei Manroland, Kuka, Premium Aerotec, MT Aerospace, Wash Tec und Osram geplant. Mit rund 3000 Teilnehmern rechnet die IG Metall.
450 hatten gestern am Vormittag bei Renk die Arbeit niedergelegt. Gut 350 waren es später bei Faurecia, die zwischen Früh- und Spätschicht für eine Stunde in den Ausstand traten, rote IG-Metall-Mützen aufsetzten, Fahnen schwenkten und es sich von Betriebsrat und Gewerkschaftern bestätigen ließen: „Seit Jahren üben wir im Zuge der Standortsicherung Verzicht“, so Betriebsratsvorsitzender Dieter Schreiber. „Aber die Zeiten haben sich geändert.“ Das Unternehmen fahre satte Gewinne ein, „spart aber an euren Gehältern und an den Leiharbeitern“. Das sei „asozial“, rief Schreiber in das Mikrofon auf dem Podium – und erntete Applaus. Auch von Laszlo Panczel. Seit 1978 ist der Konstruktionsmechaniker im Unternehmen. Es ist die fünfte Streikrunde für ihn. Die Lohnforderung der Gewerkschaft – 6,5 Prozent mehr Gehalt – hält er für „viel zu wenig“.
Kein „Magerlohn“, dafür bessere Perspektiven für die Jungen
Erst recht das Angebot der Arbeitgeber, die drei Prozent drauflegen wollen. „Die wollen uns mit einem Magerlohn abspeisen“, protestierte auch IG-Metall-Sekretär Roberto Armellini bei der Kundgebung. Neben den Gehältern geht es der Gewerkschaft um faire Leiharbeit und garantierte Übernahme der Auszubildenden. Das wäre Marc Mosler wichtig. Der 19-Jährige ist Azubi im zweiten Lehrjahr bei Faurecia. Die oft unsichere Perspektive für junge Leute sei „belastend“, sagte er. Umso wichtiger war ihm, mit auf die Straße zu gehen. Es war sein erster Streik. „Die Belegschaft hält zusammen, das ist toll zu sehen.“ Erneut gestreikt wird auch bei der Telekom. "Wirtschaft Seite 8