In Augsburg sagte Marianne Faithfull ab, in Zürich aber trat sie auf. Von Nicole Prestle
Sie war das Zugpferd des Augsburger Brecht-Festivals, der prominenteste Star: Marianne Faithfull. Zweimal sollte sie im Goldenen Saal ihr Programm „An Evening in the Weimarer Republic“ präsentieren. Im Januar jedoch sagte die Engländerin ihre Auftritte ab – aus gesundheitlichen Gründen.
Letzte Woche nun, just am Tag, an dem in Augsburg das Brecht-Festival eröffnet wurde, trat Faithfull doch auf; in Zürich, wo sie – ebenfalls im Rahmen eines Brecht-Festivals – Shakespeare-Sonette las. Warum, fragten sich einige seitdem, hielt sie dieses Engagement ein, das in Augsburg aber nicht?
Den hiesigen Brechtfestival-Leiter Joachim Lang wundert das nicht. Er wusste von Faithfulls Termin in der Schweiz: „Bei dieser Lesung handelte es sich um ein aufgewärmtes Programm.“ Für Augsburg allerdings hätte die Sängerin ein vor über 15 Jahren entstandenes Konzert in neuer Überarbeitung präsentiert. „Sie wäre am 4. Februar nach Augsburg gekommen, hätte dort eine Woche geprobt und wäre dann hier zweimal aufgetreten“, so Lang.
Ein Einsatz, den ihr Arzt laut Angaben des Managements für bedenklich hielt: Faithfull habe nach einer großen Tournee, auf der sie ihr Album „Horses and High Heels“ präsentierte, ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Die Rede ist von Nierenversagen, was offiziell aber nicht bestätigt wird.
Den Veranstaltern des Augsburger Brecht-Festivals seien, sagt Joachim Lang, vom Management der Sängerin mehrere Optionen angeboten worden. „Die Shakespeare-Lesung hätten wir hier auch haben können. Wir fanden aber, sie passt nicht zu einem Brecht-Festival.“ Vom Angebot, den Augsburger Auftritt der bekannten Sängerin auf März oder April zu verschieben, nahmen die Augsburger Abstand. Lang: „Außerhalb des Brechtfestivals hätte das wenig Sinn gemacht.“ So einigte man sich darauf, Marianne Faithfull für das Festival 2013 zu engagieren.
Schade bleibt die Absage in Augsburg dennoch, denn Marianne Faithfull hätte hier laut Auskunft von Joachim Lang nicht nur Brecht-Songs präsentiert. „Im Rahmen des Festivals sollte ihr hier auch der Preis der deutschen Schallplattenkritik verliehen werden, mit dem sie ausgezeichnet wurde.“
Faithfulls Shakespeare-Lesung in Zürich muss ein großer Erfolg gewesen sein. Sie las zweimal vor ausverkauftem Haus. Mitte Februar wird sie das selbe Programm wieder absolvieren – in Paris. Augsburg hat inzwischen Ersatz gefunden: Meret Becker. Sie tritt Samstag, 11. Februar, im Goldenen Saal auf.
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