Die Branche erfährt seit Jahren einen großen Zulauf. Der Markt in Augsburg gilt in der Szene jedoch als schwierig. Ein Blick auf die unterschiedlichen Angebote Von Monika Schmich


Der Bauch kommt weg, der Po wird gestrafft – die Vorsätze zum Jahreswechsel waren bei vielen ehrgeizig. Die, die auch über den 1. Januar hinaus an diesen Zielen festhielten, trifft man derzeit beim Strampeln, Steppen oder Zumba-Tanzen in Fitnessstudios. Traditionell ist der Ansturm dort zum Start ins neue Jahr groß. Da bilden auch die Augsburger Studios keine Ausnahme. Doch ist der Bauch erst mal weg, der Po straff oder sind die Vorsätze gleich auf das kommende Jahr verschoben, beginnt in den Studios der Kampf um den Kunden.
Die Branche hat in den vergangenen Jahren zwar einen wahren Boom erlebt. Doch insbesondere der Markt in Augsburg gilt unter Experten als schwierig. Die Kunden seien extrem preisbewusst, die Zahl der Studios schon jetzt sehr hoch, heißt es. Und trotzdem drängen noch immer Anbieter auf den Markt. Es sind vor allem Fitness-Discounter wie Trendy One in Lechhausen oder Jumpers in Stadtbergen mit Mitgliedsbeiträgen von 15 bis 20 Euro pro Monat, die im vergangenen Jahr eröffnet haben. Viele sind skeptisch, ob sie Europas Marktführer McFit, der mit zwei Filialen in Augsburg vertreten ist, Konkurrenz machen können.
Aber auch Nischen-Anbieter aus dem Premium-Segment sind seit Kurzem in Augsburg. Bodystreet ist einer von ihnen. Wobei, mit einem gewöhnlichen Fitnessstudio will man hier eigentlich nicht vergleichen werden, sagt Filialleiter Fabian Eichhorn. Wer die Filiale in der Hermanstraße betritt, wähnt sich tatsächlich eher in einem Friseursalon, als in einer Muckibude. Ein kleiner Raum, keine Kraftmaschinen, kein Laufband. Dafür zwei Pulte mit elektrischen Anschlüssen und vielen Kabeln.
Bodystreet will seinen Sportlern mit Elektroimpulsen zum Six-Pack verhelfen. 80 Euro kostet das Monatsabo, 20 Minuten Stromstöße pro Woche inklusive. Weil der Trainingseffekt dabei 18-mal höher sei als in einem Fitnessstudio, spare der Kunde Zeit, sagt Filialleiter Eichhorn. Bei der Zielgruppe – zahlungskräftige Geschäftsleute mit wenig Freizeit – komme das an. „Die Zeit, vier- bis fünfmal ins Fitnessstudio zu gehen, ist bei vielen einfach nicht da.“
Bodystreet ist nicht der einzige Anbieter in Augsburg, der auf ausgefallene Angebote setzt. Längst ebnen nicht mehr allein Muskelkraft und stundenlange Schinderei den Weg zum Traumkörper. In einigen Studios sollen „multidimensionale Beschleunigungen“ und „patentierte Wickelverfahren“ für eine straffe Optik sorgen. Für das Marktforschungsinstitut Deloitte, das jährlich die Branche unter die Lupe nimmt, keine überraschende Entwicklung. Die Angebote in der Fitnessszene werden immer spezieller, heißt es in der jüngsten Studie. Betreiber, die erfolgreich sein wollen, müssen sich positionieren: billig oder teuer, Massenware oder Nischenangebot? Schwierig werde es für das sogenannte „Medium Segment“, prophezeit Deloitte.
Seit 37 Jahren erfolgreich
Dazu gehört auch das Studio Top Ten in der Fichtelbachstraße. Von Schwierigkeiten ist hier allerdings keine Spur, sagt Betreiber Norbert Schmittner. Im Gegenteil: „Die Bude ist voll.“ Seit 37 Jahren gibt es das Studio mit dem klassischen Angebot: Geräte, Kurse, Sauna, Trainerstunden. Etwa 40 Euro muss der Sportler pro Monat zahlen, Wickel und Stromstöße Fehlanzeige. Denn Schmittke will vor allem eines nicht: ein „Bodybuilder- und Schickimicki-Studio“. Sein Erfolgsrezept: die Beratung der Kunden. „Bei mir kommen Leute rein, die etwas für die Gesundheit tun wollen – und nicht nur wegen der Show.“ Doch die Konkurrenz ist groß. „Gemessen an der Einwohnerzahl hat Augsburg viel zu viele Studios, das tut dem Markt nicht gut“, klagt Schmittke.
Auch Hardy’s hat den Markt in Augsburg ganz genau analysiert, ehe der Premiumanbieter 2009 im Fuggerstadt-Center sein Studio eröffnete. Der Discount-Bereich sei in Augsburg „übersättigt“, sagt Filialleiter Johannes Lößl. Im Premiumsegment habe man dagegen damals durchaus Potenzial gesehen – und genutzt. Bei seiner Angebotspolitik hat der Anbieter, der zuvor nur in der Ammersee-Region vertreten war, inzwischen allerdings nachgebessert. Wer im Nobel-Studio trainieren will, sich aber die Premium-Mitgliedschaft mit allem Drum und Dran für bis zu 99 Euro pro Monat nicht leisten will, kann seit Sommer auf ein abgespecktes, individuelleres Angebot ohne Trainerbetreuung, Kurse und Wellnessbereich zurückgreifen. „Die Augsburger sind eben sparsamer“, sagt Lößl.
Genau deswegen habe auch Bodystreet um Augsburg lange einen Bogen gemacht, erzählt Filialleiter Eichhorn. Man sei unsicher gewesen, ob das exklusive Angebot mit den Elektroimpulsen hier in der Stadt ankommt. Bislang sei man jedoch zufrieden, sagt Eichhorn. Seit der Eröffnung im Dezember habe man 35 Kunden gewonnen. Geplant sind drei weitere Studios in Augsburg.
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