Das Bayernkolleg in der Schillstraße soll geschlossen werden. Der Freistaat will die Bildungseinrichtung nach Marktoberdorf verlegen. Damit würde Augsburg eine wichtige Institution verlieren, an der junge Erwachsene über den zweiten Bildungsweg zur Hochschulreife gelangen und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. 36 Prozent der Schüler am Bayernkolleg haben Migrationshintergrund.
Bildungsreferent Hermann Köhler erfuhr erst vor wenigen Tagen offiziell von den Plänen des Freistaats. Hinter den Kulissen aber gäre es schon eine ganze Weile, sagte der CSU-Politiker gestern gegenüber unserer Zeitung. Die Pläne, das Bayernkolleg mit angeschlossenem Wohnheim von Augsburg abzuziehen, seien vor allem finanzpolitischer Art. „Das Wohnheim mit 60 Zimmern ist dringend sanierungsbedürftig, auch an der Schule müsste einiges getan werden“, erklärte Köhler. Neubau und Sanierung von Wohnheim und Schule (siehe auch Info) würden nach Aussage Erich Bihlmayrs, Direktor des Bayernkollegs, 15 Millionen Euro kosten, die sich der Freistaat sparen wolle.
Stärkung des ländlichen Raums ist ein Argument
Gleichzeitig stehe in Marktoberdorf ein Gymnasium mit Internat zur Verfügung, das erst vor Kurzem aufwendig und mithilfe von Mitteln aus dem Konjunkturpaket saniert worden sei, sagte Bihlmayr unserer Zeitung. Ein weiteres Argument des Freistaats sei die Stärkung des ländlichen Raumes. In der kleinen Kreisstadt im Ostallgäu mit nicht ganz 20000 Einwohnern gehen seit einigen Jahren die Schülerzahlen zurück.
„Vom Vorgehen her sind die Überlegungen des Freistaates verständlich, weil er kein Geld hat“, sagt Köhler. „Vom Effekt her sind sie gefährlich.“
Einrichtung hilft jungen Menschen am Arbeitsmarkt
Köhler unterstrich damit einmal mehr die besondere Rolle, die der Einrichtung zukommt: Aktuell sind am Bayernkolleg 586 Schüler eingeschrieben. Davon haben 36 Prozent Migrationshintergrund, über 40 Prozent kommen von Mittelschulen (früher: Hauptschule). Statistisch gesehen sind das die beiden Faktoren, die die Chancen auf dem Arbeitsmarkt am meisten schmälern. Nehme man diesen jungen Leuten künftig die Möglichkeit, eine höhere Bildung zu erlangen, sei das „das falsche Signal“, so Köhler weiter.
„Wir betonen immer, wie wichtig Bildung ist. Dann müssen wir auch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass junge Leute Bildung erwerben können – gerade in einer Stadt wie Augsburg mit einem so hohen Migrantenanteil.“ Heuer schrieben übrigens 25 Prozent Schüler mit Migrationshintergrund am Bayernkolleg Abitur. „Der Anteil wird steigen“, prophezeit Rektor Bihlmayr.
Die Überlegungen des Kultusministeriums, der Augsburger Schule den Todesstoß zu versetzen, sind noch nicht in der Entscheidungsphase. Bihlmayr glaubt, die Pläne des Kultusministeriums seien momentan lediglich „eine vom Freistaat favorisierte Alternative, um Geld zu sparen“. „Aber dagegen werden wir uns mit allen Mitteln zur Wehr setzen“, gab sich Köhler kämpferisch. „Die Schule ist für Augsburg und die Region zu wichtig, um sie einfach aufzugeben.“
Termin Der Verein der Freunde des Bayernkollegs lädt am Mittwoch, 8. Juni, um 19.30 Uhr zu einer Infoveranstaltung ins Bayernkolleg in der Schillstraße.