Samstag, 24. Februar 2018

25. Juli 2010 22:25 Uhr

Für immer verschwunden

Für Vogelkundler muss es wie ein Märchen klingen. Noch bis in die 1950er-Jahre war in den feuchten Wiesen und Mooren um Augsburg das melancholische Flöten des Brachvogels, das aufgeregte Glucksen der Birkhühner und das ziegenähnliche Meckern der Bekassinen zu hören. Auf den riesigen Kiesbänken brüteten unter lautstarkem Geschrei Fluss- und Lachseeschwalben. Doch diese imposante Geräuschkulisse ist schon lange verstummt.

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20 Vogelarten sind mittlerweile in Augsburg ausgestorben

20 Vogelarten sind mittlerweile bei uns ausgestorben. Weitere 25 Arten stehen kurz davor, für immer aus unserer Augsburger Landschaft zu verschwinden. Darunter einstige "Allerweltsarten" wie das Rebhuhn oder der Kiebitz.

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Nicht minder dramatisch sieht es in der Insektenwelt aus. Die Liste verschollener Arten ist unüberschaubar lang. Ein prominentes Beispiel ist der Augsburger Bär - ein Nachtfalter. Er wurde erstmals Mitte des 18. Jahrhunderts vom Kupferstecher Riedinger gefangen und präpariert. Riedinger kannte den Falter nicht und schickte ihn deswegen an seinen Freund, den Naturforscher August Johann Rösel von Rosenhof, der ihn wissenschaftlich beschrieb und ihm in Anklang an den Fundort den deutschen Namen "Augsburger Bär" gab.

Wann und warum dieser wunderschöne Nachtfalter aus der Stadt verschwand, die ihm seinen Na- men gab, bleibt Experten ein Rätsel. Den Augsburger Bär findet man heute noch vereinzelt auf der Schwäbischen Alb oder im Schweizer Jura. Interessanterweise taucht die Art in einigen Gebieten nach langen Jahren plötzlich wieder auf. Es bleibt also die Hoffnung, dass die Art irgendwann wieder "nach Hause" kommt.

Verbauung der Flüsse wurde Kröten zum Verhängnis

Erst kürzlich von der Bildfläche verschwunden ist die Wechselkröte. Wie vielen anderen Arten zuvor wurde ihr die Verbauung der Augsburger Flüsse zum Verhängnis. Die schönste der heimischen Krötenarten laicht in flachen Tümpeln ohne Pflanzenbewuchs.

Um den Tag zu verbringen, oder sicher zu überwintern, ist sie auf kleinere Gehölze und morsche Wurzelstöcke angewiesen. Die erwachsenen Tiere jagen nachts, am liebsten in trockener und warmer, lückiger Gras- und Krautvegetation. Das letzte Augsburger Vorkommen der Wechselkröte in Oberhausen hatte einfach zu wenig Platz und war von zu vielen Gefahren umgeben, um überleben zu können.

Nicht anders erging es der Deutschen Tamariske, einem Strauch, der sich auf neu gebildeten Kiesflächen an Wildflüssen ansiedelt. Mit tiefen Pfahlwurzeln verankert sie sich fest im Untergrund und übersteht so gleichermaßen reißende Hochwässer und Trockenperioden. Wer die Deutsche Tamariske heute bestaunen möchte, fährt am besten nach Österreich.

Am Tiroler Lech herrscht noch das, was diese Art so dringend benötigt: ein wilder, unbändiger Wildfluss. Nicolas Liebig

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