Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten

Mobilität in Augsburg: Grüne Welle bleibt die Ausnahme

Mobilität in Augsburg

Grüne Welle bleibt die Ausnahme

  • |
  • |
  • |
    Grüne Welle bleibt die Ausnahme
    Grüne Welle bleibt die Ausnahme

    Autofahrer in Augsburg werden sich auch in Zukunft über rote Ampeln ärgern, die anscheinend immer im falschen Moment umschalten. Das neue System der Verkehrssteuerung, das bisher drei große Straßenzüge umfasst, hatte bei vielen Pendlern die Hoffnung auf grüne Wellen geweckt. Doch die intelligenten Ampeln, die dynamisch auf das Verkehrsaufkommen reagieren, entlasten die großen Zufahrtsstraßen nur zu absoluten Stoßzeiten.

    Bei ruhigerem Verkehr bekommen die Seitenstraßen und die Fußgänger wieder mehr grüne Phasen. Viele Autofahrer werden in Augsburg also auch künftig höchst selten in den Genuss kommen, mehrere Kreuzungen zu überfahren, ohne an mindestens einer roten Ampel halten zu müssen.

    Bisher sind die Bürgermeister-Ackermann-Straße, die Nagahama- sowie die Amagasaki-Allee und die Friedberger Straße in das moderne Verkehrsleitsystem integriert. Allein die Umrüstung auf der Hauptverkehrsader nach Friedberg kostete die Stadt 1,7 Millionen Euro. Dort erfassen nun Hunderte Messschleifen in der Fahrbahn die Geschwindigkeit und die Anzahl an Autos und übermitteln diese Daten an einen Computer im Tiefbauamt.

    Computer berechnet das Signalprogramm

    Der Rechner wertet die Angaben aus und ermittelt alle fünf Minuten das jeweils optimale Signalprogramm. Wenn demnach eine lange Autokolonne auf die Straße zurollt, erkennen das die intelligenten Ampeln und schalten im besten Fall nacheinander auf Grün, damit sich kein Stau bildet. „Auf diese Weise lotst das System die morgendlichen Pendler auf der Friedberger Straße stadteinwärts in sehr kurzer Zeit“, sagt Sandor Isepy, Abteilungsleiter für den Bereich Ampeln im Tiefbauamt. Doch schon um 10 Uhr, wenn aus Friedberg weniger Autos kommen, geben die Ampeln den Fahrern aus Mering und Kissing häufiger und länger die Chance, einzubiegen.

    Kritiker sehen darin nicht die wohl überlegte Interessenabwägung aller Verkehrsbeteiligten, sondern Kalkül. „Die Stadt bremst Autofahrer bewusst aus, damit die Friedberger auf die Straßenbahnlinie 6 umsteigen“, meint Johannes Patzold. Der Friedberger Stadtrat pendelt jeden Tag zu seinem Kfz-Betrieb hinterm Schwabencenter und klagt über stockenden Verkehr. Isepy weist den Vorwurf zurück. „Es geht darum, dass alle so schnell wie möglich weiter kommen.“

    In der Praxis läuft der Verkehr auf der Friedberger Straße recht flüssig. Im Dauerstau, wie noch vor dem Start der Linie 6 befürchtet, stehen die Autofahrer so gut wie nie. Eine durchgehend grüne Welle kommt aber ebenfalls selten vor, unter anderem weil die Straßenbahn stets Vorrang hat. „Wir beobachten den Verkehr ständig durch Kameras an den Ampeln und mithilfe von Mitarbeitern, die regelmäßig die Strecke abfahren“, berichtet Isepy. Wie oft eine grüne Welle geschaltet wird, halten die Rechner aber nicht fest.

    „Den Nutzen moderner Ampelsteuerungen kann man in der Praxis nicht wirklich nachweisen“, sagt Christoph Hecht, Verkehrsexperte des ADAC. Selbst beste Modellrechnungen könnten einen echten Verkehr mit unzähligen Variablen nicht simulieren. Schon eine grüne Welle in beiden Fahrtrichtungen gleichzeitig sei fast unmöglich. In Augsburg kommt hinzu, dass die Mehrheit der Ampeln sehr alt sind und nur zu starren Zeit ihr Signalprogramm ändern können.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden