Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten

Produktion: Horex: In Augsburg lebt ein Mythos neu auf

Produktion

Horex: In Augsburg lebt ein Mythos neu auf

  • |
  • |
  • |
    Das ist eines der fünf Testmodelle, die derzeit genau geprüft werden. In wenigen Wochen soll das Motorrad in Serie gehen.
    Das ist eines der fünf Testmodelle, die derzeit genau geprüft werden. In wenigen Wochen soll das Motorrad in Serie gehen. Foto: Silvio Wyszengrad

    Nirgends Roboter, die montieren und schrauben. Keine Fließbänder. Nichts. Ein paar Werkbänke stehen in der Halle im Industriegebiet in Kriegshaber, Regale, Kisten. Das war’s. Eine Motorradproduktion stellt man sich irgendwie anders vor.

    Das weiß auch das Team um Clemens Neeser, das hier in wenigen Wochen mit der Fertigung der neuen Horex beginnen will. Und genau deswegen ist man besonders stolz auf diese Stätte. Denn mit einer herkömmlichen Motorradproduktion, mit der üblichen Massenfertigung am Fließband, will man hier nichts zu tun haben. Neeser und seine Mannen sprechen lieber von einer „Manufaktur“, in der sie die Traditionsmarke bald wieder aufleben lassen wollen.

    Seit rund acht Jahren arbeitet das Team an dem Horex-Projekt. Es hat in der Motorradszene inzwischen für reichlich Aufsehen gesorgt. Oft wurde auch darüber kontrovers diskutiert: Wird sich die traditionsreiche Marke behaupten können? Oder ist die ganze Idee nur eine Luftnummer?

    In dieser Woche gewährte das junge Unternehmen, das lange in Garching bei München ansässig war und inzwischen Augsburg als neuen Standort auserkoren hat, einem Fachpublikum erstmals Einblicke in seine Manufaktur, es zeigte das Modell der VR6-Roadster, die kurz vor der Serienreife steht. Für die geladenen Fachjournalisten sind solche Termine eigentlich keine Besonderheit. Immer wieder entstehen neue Motorradmarken, berichtete einer der Teilnehmer. Viele seien jedoch schnell wieder vom Markt verschwunden. Doch diesmal, so meinten einige nach der Präsentation, diesmal könnte es anders sein. Das Team von Neeser gehe die Sache strukturiert an. Die Auferstehung der Horex habe durchaus die Chance auf einen Erfolg.

    Denn hinter dem Konzept steckt mehr als der Mythos einer Marke. Ausgangspunkt aller Überlegungen war die Entwicklung einer neuartigen Motorentechnik, die sich das Unternehmen – inzwischen heißt es Horex GmbH – patentieren ließ. Die besondere Idee hinter dieser VR-Technik, die bisher vor allem im Automobilbau genutzt wurde: Der Sechs-Zylinder-Motor ist besonders platzsparend konstruiert – optimal für den Motorradbau. Und nicht nur dort. Inzwischen hat die Horex GmbH ein weiteres Patent auf den Einsatz dieser Technik außerhalb des Motorrads. Auch wenn es laut Geschäftsführung noch keine konkreten Überlegungen gibt, könnte das Unternehmen auch in die Produktion von Schiffs- oder Kleinflugzeugmotoren Marke Horex einsteigen. „Die Perspektiven sind auf jeden Fall da“, sagt Neeser.

    Derzeit beschränkt man sich aber auf die Motorräder. Etwa 15 Mitarbeiter sind in Augsburg damit beschäftigt, etwa ein Drittel in der Manufaktur. Die Motoren werden allerdings noch nicht hier gebaut. Eine Reihe von Kooperationspartnern liefert die Komponenten – vom Auspuff bis zur Steuerung. Die Horex GmbH montiert sie lediglich zusammen. 1000 Motorräder will das Team künftig pro Jahr fertigstellen. Im ersten Jahr werden es wohl nur rund 400 sein. 21700 Euro wird das erste Serienmodell, die Horex V6-Roadster, kosten. Später sollen weitere Modelle auf den Markt kommen.

    Derzeit ist das Unternehmen dabei, ein Händlernetz in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufzubauen. Später soll auch der Rest Europas bedient werden. Etwa 50 Vorbestellungen liegen bereits vor. Meist von Männern im mittleren Alter, die sich ein Zweit- oder Drittmotorrad kaufen wollen, verrät der Vertriebsexperte des Unternehmens, Fritz Rombach. Und von Leuten, die neben der Technik auch vom Mythos der Marke begeistert sind.

    Denn das war der zweite clevere Schachzug der Entwickler: Sie haben sich 2009 die Rechte an der Traditionsmarke gesichert. „Die Idee war nicht, die alte Horex zu kopieren“, sagt Neeser. Vielmehr wollte man die eigene Motorradentwicklung mit einer Kultmarke verknüpfen. Zentrale Details wie die runden Scheinwerfer oder den frei stehenden Motor haben sich die neuen Horex-Produzenten dennoch von ihren Vorgängern abgeschaut. Wie die neue Horex aussehen wird, konnte das Fachpublikum in dieser Woche bereits begutachten. Denn fünf Vorserienmodelle, die letzten Tests unterzogen werden, sind bereits fertig. Das Experten-Urteil: Geschmackssache.

    Einige Wochen wird es jetzt noch dauern, bis die letzte Testphase abgeschlossen sein wird. Erst dann kann die Montage beginnen. Dann wird ein alter Mythos zum Leben erweckt – in einer angemieteten Werkshalle in Augsburg-Kriegshaber.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden