Wer 13,5 Millionen Euro einsparen muss, hat nicht viel Geld für Ratgeber. Sechs von der AZ befragte Menschen – vom Pfarrer bis zum Demonstranten – geben der Stadt daher gratis Spartipps.
Der Pfarrer: Gerhard Groll denkt an Eingemeindungen
Gerhard Groll setzt auf eigene Erfahrungen: „Die Diözese hat auch viele Stellen gestrichen. Dann muss man eben anders über die Runden kommen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Stadt zu viel Personal hat“, sagt der Pfarrer von St. Thaddäus (Kriegshaber). Er kritisiert die Verteilung des Geldes zwischen Bund, Ländern und Kommunen: „Die meisten Aufgaben der Stadt sind bürgernah und notwendig. Man bürdet ihr Pflichtaufgaben auf, ohne sie zu finanzieren.“ Um die Steuereinnahmen zu erhöhen, hat er einen ungewöhnlichen Vorschlag: „Nachdem Augsburg immer etwas klamm ist und die Nachbarstädte solche Probleme eher nicht haben, könnte man Stadtbergen oder Gersthofen eingemeinden.“
Der Verleger: Bernd Wißner vermisst das Ziel
„Mein Eindruck ist: Es werden zur Zeit Löcher auf einem Weg gestopft, von dem man nicht weiß, wohin er führt und ob man da überhaupt hin will“, sagt Dr. Bernd Wißner. Wer die beste Lobby habe, komme zum Zug und werde mit Geld bedacht. „Wir dürfen aber keinen Bereich vernachlässigen“, fordert der Verleger: „Wie sollen im Sozialbereich noch die Alten gepflegt werden, wenn kein Geld für Personal da ist? Ganz wichtig sind die Schulen. Und die Kultur brauchen wir auch, um qualifizierte Menschen zu halten.“
Wißner vermisst grundlegende Fragen: „Wie sieht die Gesellschaft in 20 Jahren aus, mit den Demografie- und Migrationsproblemen? Was braucht sie?“ Nur wenn das Ziel klar ist, kann aus seiner Sicht richtig investiert und gespart werden. „Im Moment ist es richtig, die Einsparungen auf alle Bereiche zu verteilen, aber Sozialeinrichtungen, Schulen und Wirtschaftsförderung müssen handlungsfähig bleiben.“
Der Wirtschaftssprecher: Thomas Schörg will Personal einsparen
Seine Rechnung klingt einfach: Die Stadt muss viel sparen, also muss sie da ansetzen, wo sie viel Geld ausgibt – beim Personal. Thomas Schörg, der Regionalgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, denkt aber nicht an Kündigungen, sondern an die „natürliche Fluktuation“: Wenn Mitarbeiter gehen, sollte ihre Stelle nicht neu besetzt werden.
Die Sparfüchsin: Angelika John findet Verwaltung zu teuer
Angelika John weiß, wie man spart. Sie ist Vorsitzende des Sparvereins „Einigkeit“ Lechhausen. Seit über 90 Jahren zahlen Mitglieder ein, um sich gemeinsam gesellige Tage und Stunden zu leisten. John setzt beim Verwaltungsapparat an. Sie würde beim Personal sparen. Da nimmt sie auch die Stadtspitze nicht aus. „Man muss gewaltig streichen und da sollte jeder bei sich selbst anfangen.“ Trotz aller Sparbemühungen würde sie in eine Sache sogar investieren: „Wenn man sich manche Schulen anschaut, dann müssen wir eigentlich noch mehr aufwenden.“
Der Streiter fürs Soziale: Walter Wüst zweifelt an Baumaßnahmen
Einmischen und Anprangern: Das hat sich der Sozialverband „Der Paritätische“ auf die Fahnen geschrieben. Schwabens Geschäftsführer Walter Wüst will nicht „in fremden Gärten wildern“ und findet es somit nahezu unmöglich, im Bereich Soziales ausreichend Geld einzusparen. Schließlich sei vieles Pflichtaufgabe. Und die Zukunft der „Sozialstadt Augsburg“ sei wichtig, ein Konzept vermisst er aber. Generell stellt er sich zwei Fragen: „Brauchen wir so viele Referate und sind die Baumaßnahmen wie am Elias-Holl-Platz wirklich zwingend notwendig?“
Der Demonstrant: Gero Smolinsky beklagt Verschwendung
Immer wieder montags steht er mit ein paar Mitstreitern am Königsplatz. Montagsdemo. Es geht unter anderem gegen Sozialabbau, aber auch um Gerechtigkeit: „Es ist nicht richtig, dass die Finanzkrise zulasten der Kommunen finanziert wird“, sagt Gero Smolinsky. Für alles, was die Gesellschaft direkt betrifft, müsse Geld da sein: Schulen, Jugendhäuser, Sportvereine. Was ihn stört, ist Geldverschwendung: Als großes Beispiel nennt er das „verbaute Eisstadion“ Im Kleinen beklagt er Verschwendung vor seiner Tür: „Die Stadt baute erst einen hohen Randstein an einen Parkplatz und musste nach einem Gerichtsstreit die Zufahrt frei machen.“