Hotels gibt es viele in Augsburg. Aber noch kein Design-Hotel, das seinen Gästen Komfort und ein außergewöhnliches Umfeld bietet. Ein solches Haus soll auf dem Gelände der früheren Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS) im Textilviertel entstehen. Die neue Hotellerie der Vier-Sterne-Kategorie ist im historischen Kesselhaus der AKS geplant – einem denkmalgeschützten Backsteinbau mit hohem Kamin und museumsreifen technischen Anlagen. Er liegt nahe dem Textilmuseum.
Hinter dem Hotelprojekt steht die Firma Schäfflerbachstraße Grundbesitz. Sie war Eigentümer der Industriebrache zwischen Provino- und Prinzstraße und hat dort nach wie vor Immobilien.
Die meisten Grundstücke auf dem Areal sind inzwischen vermarktet. Viele Neubauten entstehen. Eine der größten Herausforderungen ist aus Sicht von Fachleuten aber, neue Nutzungen für eine ganze Reihe von Baudenkmälern zu finden, die entlang der alten „Fabrikstraße“ stehen und erhalten werden müssen. Als wertvollstes Gebäude gilt das AKS-Kesselhaus mit seinen historischen Anlagen. „Es ist ein Technikdenkmal von deutschlandweitem Rang, vergleichbar mit dem Gaswerk im Stadtteil Oberhausen“, sagt Gerhard Huber von der Denkmalschutzbehörde bei der Stadt.
In eben dieses Kesselhaus soll das neue Design-Hotel einziehen. Ein Konzept für die Hotellerie, ergänzende Gastronomie, Wellness und Fitness sei über zwei Jahre hinweg erarbeitet worden, sagt Heinz M. Schnürch vom Projektentwickler Artemis. Das Investitionsvolumen liegt nach seinen Angaben bei zwölf Millionen Euro.
Vorgesehen ist ein Hotel mit 107 Zimmern in der Vier-Sterne-Kategorie. Es wird als „Haus im Haus“ gebaut, um Eingriffe in die denkmalgeschützte Bausubstanz so gering wie möglich zu halten.
Als eine Besonderheit sollen die großen Kohlekessel aus dem Jahr 1930 in den Hotelbetrieb integriert werden, voraussichtlich neben einer Bar oder einem Erlebnisbereich. Im nördlichen Teil des Baus mit den alten Dampfturbinen ist Gastronomie geplant. Auch hier sei vorgesehen, historische Technik in die Nutzung einzubeziehen. Als Vorbild nennt Schnürch die „Zeche Zollverein“ im Ruhrgebiet, eines der wichtigsten Industriedenkmäler Europas.
Das Hotelprojekt ist weit gediehen. Das Landesamt für Denkmalpflege hat grünes Licht gegeben. Ein Bauantrag liegt der Stadt seit kurzem vor. Schnürch hofft auf eine Genehmigung bis August und einen Baubeginn 2012. Über einen Betreiber des Design-Hotels sei noch nicht entschieden. „Derzeit laufen Gespräche mit drei überregional tätigen Interessenten“, sagt er.
Denkmalschutz findet Pläne gut
Eine der größten Hürden für das Design-Hotel war der Denkmalschutz. Die Experten sehen die vorliegenden Pläne aber positiv. Gerhard Huber von der Stadt spricht von einer passenden Nutzung. „Wir würden uns darüber freuen.“ Er sieht die wesentlichen Forderungen der Denkmalpflege erfüllt. Ein solches Gebäude zu erhalten und auf eine neue wirtschaftliche Basis zu stellen, sei ein Drahtseilakt.
Auch Tourismusdirektor Götz Beck begrüßt die Pläne. Er sieht noch Bedarf für ein weiteres Vier-Sterne-Haus, wenn sich das Messe- und Kongresswesen in Augsburg weiter entwickelt. „In Großstädten ist es fast üblich, mit außergewöhnlicherer Hotellerie Akzente zu setzen“, sagt Beck. „Viele Menschen wollen heute etwas Besonderes.“
Wie sich das AKS-Areal städtebaulich insgesamt entwickelt, beleuchten wir auf Seite 32 und im Kommentar.