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Kultur: Jim Knopf und Kasperl bleiben Sympathieträger

Kultur

Jim Knopf und Kasperl bleiben Sympathieträger

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    Da kann sich der Kasperl nur an den Kopf fassen. Puppentheater soll im Fernsehen nicht mehr modern sein? Die Besucherzahlen des Augsburger Marionettenheaters sprechen eine andere Sprache.
    Da kann sich der Kasperl nur an den Kopf fassen. Puppentheater soll im Fernsehen nicht mehr modern sein? Die Besucherzahlen des Augsburger Marionettenheaters sprechen eine andere Sprache. Foto: Silvio Wyszengrad

    In der ARD wurden sie eingemottet – die Filme mit Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer von der Augsburger Puppenkiste. Zu langsam, nicht mehr zeitgemäß, so die Argumente. Doch Fernsehleute können irren. Wenn man Kindern, die mit Computern und Fernsehen aufwachsen, Geschichten entschleunigt erzählt, funktioniert das. Diese Erfahrung macht Theatermann Peter Bommas. Die Augsburger Puppenkiste ist auch nach wie vor in ganz Deutschland bekannt und beliebt, sagt Tourismusdirektor Götz Beck. Sie sei Augsburgs populärste Institution. Als Sympathieträger ist sie bis hinauf in die Fußball-Bundesliga im Einsatz.

    „Mainzelmännchen grüßen die Augsburger Puppenkiste“. Solche Transparente sieht man bei Spielen des FCA. Bei auswärtigen Fans kommt es gut an, dass die Profifußballer den Kasperl als Maskottchen verwenden. Das Kasperle darf im Augsburger SGL-Stadion augenzwinkernd das nächste Spielergebnis voraussagen, natürlich immer einen Sieg. Das Kasperle wird statt der üblichen Wimpel zwischen den Mannschaften ausgetauscht. Eine Botschaft, die für gute Stimmung sorgt.

    Auch Kinder mit viel TV-Konsum lassen sich faszinieren

    In der ARD hingegen hat man Jim Knopf ausgemustert. Die Filme, die vor 50 Jahren bei Kindern Kult waren und noch heute passable Einschaltquoten haben, wurden ins Archiv verbannt (wir berichteten). Peter Bommas vom Jungen Theater kann Argumente des Senders nicht nachvollziehen, das Marionettenspiel sei für heutige Kinder zu behäbig. „Figuren wirken auch, wenn sie langsam und nahe agieren, sie erfordern aber eine andere Art von Wahrnehmung “, sagt er. Nach seiner Erfahrung lassen sich selbst Kinder mit großem TV-Konsum von einem entschleunigten Erzählstil faszinieren. Live im Theater sei das allerdings einfacher als im Fernsehen, wo viele Sendungen konkurrieren, räumt er ein.

    „Schade, wenn Jim Knopf nicht mehr im Fernsehen präsent ist“, sagt Tourismusdirektor Götz Beck. Große Sorgen mache er sich aber nicht, dass es dem Bekanntheitsgrad der Marionettenbühne nachhaltig schaden wird. „Über den Kasperl beim FCA kommt die Puppenkiste wieder ins Fernsehen zurück.“

    Laut Beck zeigt sich bei allen Befragungen und Analysen, dass die Augsburger Puppenkiste deutschlandweit nach wie vor die bekannteste Augsburger Einrichtung ist. Deshalb sei sie auch für den Städtetourismus von großer Bedeutung. „Die Puppenkiste ist für uns eines der wichtigsten Themen“, sagt er. Wie attraktiv sie sei, zeige sich an den gut besuchten Aufführungen und an den Besucherzahlen im Museum „Die Kiste“.

    „Sympathieträger ja, Dachmarke für Augsburg nein“

    Marionetten wie Jim Knopf, das Urmel oder der Kasperl sind nicht nur wichtig für Branchen, die vom Tourismus leben. Beck beobachtet auch, dass sehr viele unterschiedliche Akteure die beliebten Marionetten als Botschafter nutzen, angefangen beim Goethe-Institut, über die Frauenfußball-Weltmeisterschaft bis hin zum Gewalt-Präventionsprojekt des Beta-Instituts. Manchmal kann es heimischen Kulturschaffenden aber auch die Nerven gehen, auswärts ständig mit der Augsburger Puppenkiste in Verbindung gebracht zu werden. „Das kann lästig sein, wenn man woanders hinkommt“, sagt Bommas.

    Auch aus Sicht von Marketingexperten ist die Augsburger Puppenkiste einer der wichtigsten Sympathie- und Kommunikationsträger für die Stadt. Professor Klaus Kellner glaubt allerdings, dass sich die Zielgruppen von Urmel und Co. gewandelt haben. Er sieht damit ganz neue Möglichkeiten, Botschaften auszusenden. „Eine Dachmarke für die Stadt kann die Puppenkiste aber nicht sein“, sagt Kellner. Diese müsse mit Inhalten für die Zukunft gefüllt sein.

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