Von „zukunftsängstlich“ will Quirin Bauer nicht sprechen. Aber „sehr ernsthaft, wenn es um ihre berufliche Zukunft geht“, das seien viele Jugendliche von heute. Und die kamen am Wochenende so zahlreich zur Horizon, der Messe für Studium und Ausbildung, dass sich sowohl Aussteller als auch Veranstalter – die Agentur für Arbeit und die Scope Messestrategie – hochzufrieden mit den Besucherzahlen zeigten. Insgesamt kamen an den zwei Tagen 3200 Besucher.
Die Uni Augsburg war einer von 46 Ausstellern bei der Horizon, und Quirin Bauer und seine drei Kollegen von der Zentralen Studienberatung führten Gespräche teilweise im Fünf-Minuten-Takt. „Den meisten ging es um Studieninhalte, vor allem für das Lehramt“, sagt Bauer. „Auffallend viele Mädchen interessieren sich für Studiengänge wie Physik, Materialwissenschaften, Mathematik oder den Wirtschaftsingenieur“, so Bauer weiter.
Kurz zuvor hat er sich mit Sebastian Kölbe unterhalten, der zwar noch keine Idee für einen konkreten Beruf für sich hat, nur dass es etwas Technisches sein soll. Der Elftklässler will aber jetzt schon wissen, welchen Notendurchschnitt er braucht, wenn er studieren möchte. „Ich kann mir aber genauso gut vorstellen, eine Ausbildung zu machen“, sagt der 16-Jährige. Und „schielt“ hinüber zu Benjamin Geirhos.
Der ist 21 und absolviert ein duales Studium zum Mechatroniker beim Roboterbauer Kuka. „Das ist genau mein Ding“, sagt er. „Theorie und Praxis sind beim dualen Studium ganz eng verzahnt, und jeden Monat sein Gehalt zu bekommen, hat auch was.“ Bewerbungsfristen, Verdienstmöglichkeiten, Zugangsvoraussetzungen, das seien die Aspekte, die die Jugendlichen von ihm erklärt haben wollen. Anna Griesbeck sind diese Dinge längst klar. Ein Jura- oder BWL-Studium wird voraussichtlich ihre berufliche Zukunft bestimmen. „Nur nicht sofort“, sagt die 18-Jährige, die im kommenden Mai Abitur schreibt. „Ein Jahr oder so“ wolle sie warten, ehe sie mit dem Studium beginnt. Die Zeit möchte sie dennoch sinnvoll nutzen, mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr oder einem Auslandspraktikum. Um sich über diese Möglichkeiten zu informieren, sei sie auf der Horizon.
Anders als Lucia Deinlein, die schon ganz genau weiß, dass sie „etwas Soziales studieren“ wird, „etwas, bei dem ich mit Menschen zu tun habe“, sagt die 16-Jährige. Deinlein bestätigt das, was Quirin Bauer beobachtet hat: „Die Jugendlichen interessieren sich schon sehr früh für ihren künftigen Beruf.“ Und Deinlein erklärt auch gleich, warum das so ist: „Wir werden da reingefördert.“
Fördern, damit kennt sich Manuela Dreher aus. Die 34-Jährige ist Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr und für die Nachwuchsgewinnung in Augsburg zuständig. Auf der Horizon muss sie den jungen Leuten, die an ihren Stand treten, Studiengänge und Ausbildungsmöglichkeiten bei der Bundeswehr erläutern. „Überproportional groß ist dabei das Interesse für unser Medizinstudium.“ Sie stelle es sich dennoch schwer vor, sagt sie, mit 16, 17 Jahren schon die beruflichen Weichen stellen zu müssen.
Anette Petzold von der Scope Messestrategie glaubt, dass dieser Trend anhalten wird. Deshalb gebe es auch schon den Termin für die Horizon 2012: der 17. und 18. November.