Die Kindergärten in Augsburg wehren sich gegen Google Street View. Einige haben schon Widerspruch eingelegt. Die Stadt gibt sich im Hinblick auf ihre Gebäude gelassen. Von Flora Anna Grass

Ein Kindergarten in Augsburg. Draußen spielen die Kinder. Es ist warm, ein Mädchen hat sich den Rock ausgezogen, ein Bub trägt nur ein Unterhemd. Es sind sensible und private Bilder. Doch solche Aufnahmen könnten bald für Millionen Menschen im Internet zu sehen sein: Google Street View, das Ende des Jahres startet, zeigt einen 360-Grad-Rundumblick über Straßenzüge, Häuser und Plätze.
Dagegen regt sich Widerstand. Viele Augsburger Einrichtungen und Privatleute protestieren gegen den Internetgiganten. Eva Hermanns, die Leiterin des Fachbereichs städtische Kindertagesstätten, hat bereits Widerspruch für alle 29 Gebäude, die sie verwaltet, eingelegt. Damit hat sie beantragt, dass die Gebäude gepixelt und unkenntlich gemacht werden. "Die Kinder sind uns anvertraut, wir müssen ihre Privatsphäre schützen", sagt sie. Als die Leiterin keine Antwort bekam, mahnte sie den Internetgiganten an. Nun hat sie ihr Anliegen an die Hausjuristin übergeben. Hermanns will nicht lockerlassen: "Persönlichkeitsrechte dürfen nicht dem Zufall überlassen werden."
Auch im Frauenhaus ist die Sorge um die Sicherheit groß. "Wir müssen anonym bleiben, um die Bewohnerinnen zu schützen", sagt eine Mitarbeiterin. Viele Frauen, die in dem Haus leben, würden massiv bedroht oder verfolgt. Dass Ort und Aussehen der Einrichtung geheim bleiben, ist deshalb oberstes Gebot. "Wir haben Einspruch eingelegt", sagt die Mitarbeiterin.
Die Stadt hat noch nichts gegen den Internetdienst unternommen. "Solange die Aufnahmen nicht ins Netz gestellt wurden, sehen wir keinen Handlungsbedarf", sagt Stadtdirektor Josef Schwarz. Bislang habe man darüber noch nicht im Detail gesprochen. Fest steht nur: "Wir können nicht für alle Bürger Einspruch erheben, das lässt die Rechtslage nicht zu", sagt Schwarz. Was eigene Gebäude angeht, wolle man jedoch abwarten und den Einzelfall prüfen. Andere Städte wie Ingolstadt haben für ihre Liegenschaften die Unkenntlichmachung beantragt, touristisch interessante Gebäude ausgenommen.
Formulare in der Bürgerinformation
Auch Privatleute können sich gegen die Veröffentlichung ihrer Häuser und Wohnungen im Internet wehren. Wie das funktioniert, darüber informiert die Stadt auf ihrer Internetseite. Augsburger, die keinen Internetanschluss haben, können sich noch bis voraussichtlich 15. Oktober Mustervorabdrucke für ihren Widerspruch bei der Bürgerinformation auf dem Rathausplatz ausstellen lassen. Viele ältere Menschen hätten das bereits genutzt, sagt eine Mitarbeiterin: "Sie sind verunsichert und können sich nicht vorstellen, wie Street View aussieht."
Doch teilweise wird das Projekt von Google auch recht gelassen betrachtet - zum Großteil zeigt es nur, was beim Bummel durch die Straßen ohnehin sichtbar ist. Dass es etwa zu Sicherheitsproblemen für das Jüdische Kulturmuseum und die Synagoge kommen könnte, fürchtet Alexander Mazo nicht: "Die Außenaufnahmen machen uns keine Sorgen. Wir leben ohne Angst", sagt der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg. Flora Anna Grass
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