Werkstatt der Stadtwerke gibt sich alle Mühe, die stark gebrauchte Omnibus-Ersatzflotte herzurichten.


Sitze mit grellroten Graffiti-Stoffen. Und stinkende Dieselabgase. Das ist man bei Bussen der Augsburger Stadtwerke nicht gewöhnt. Ab 20. März werden aber auch Busse mit dem typischen Dieselgeruch am Auspuff und bunten Mustern aus den 90er-Jahren im Inneren unterwegs sein. Es sind ältere Fahrzeuge, die aus Duisburg, Essen und Braunschweig kommen. Ab 20. März werden sie rund zwei Jahre lang als Ersatz für Trambahnen fahren, die nicht mehr verkehren können. Denn dann geht der große Umbau am Königsplatz in die heiße Phase.
27 gebrauchte Busse aus insgesamt neun Städten in Deutschland und Österreich haben sich die Stadtwerke zugelegt. Sie sollen die normale Flotte verstärken. Denn die reicht nicht aus, um den Ersatzverkehr zu bewältigen, der wegen der Baustelle für den neuen Königsplatz organisiert werden muss.
Momentan werden die stark gebrauchten Ersatzfahrzeuge auf Hochdruck für den Einsatz in Augsburg umgerüstet. Das macht viel Arbeit im Detail. „Unser Personal hat viel zu tun“, sagt Ernst Schäfer, Leiter der Omnibuswerkstatt. Denn die meisten Busse haben auch dringend eine Überholung nötig. Sie sind bis zu 14 Jahre alt und haben bis zu 900000 Kilometer auf dem Tacho. Dennoch wird jetzt alles daran gesetzt, sie in den bestmöglichen Zustand zu versetzen.
Verschlissene Sitze müssen repariert werden. „Ich weiß nicht, wie viele Telefonate ich geführt habe, um den passenden Stoff zu bekommen“, sagt Schäfer. Um das besagte Graffiti-Muster aufzutreiben, musste er bei anderen Verkehrsbetrieben recherchieren und Stoffhersteller abfragen. Durch einen Zufall stieß er dann auf eine Firma bei Kulmbach, die noch einen Restposten des Originalstoffes auf Lager hatte. „Den haben wir gleich aufgekauft.“
Noch ist die Ersatzflotte bunt zusammengewürfelt. Das könnte bei Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs für Verunsicherungen sorgen, weil die Fahrzeuge so unterschiedlich aussehen. Deshalb bekommen die Busse ein einheitliches Erscheinungsbild. „Die Fronten werden in den Augsburger Farben lackiert, damit sie für unsere Kunden bei der Einfahrt in die Haltestelle eindeutig erkennbar sind“ sagt Schäfer. Wie Seiten aussehen werden, darüber ist noch nicht entschieden. Innen sollen die Busse ebenfalls aufgehübscht und gründlich gereinigt werden.
Auch technisch ist einiges zu tun. Alle Busse werden mit der Augsburger Funk- und Leittechnik ausgestattet. Sie bekommen passende Fahrkarten-Entwerter. Verschiedene Wartungen und die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsprüfungen sind ebenfalls fällig. Insgesamt liege man mit der Umrüstung im Zeitplan und werde termingerecht fertig, sagt Schäfer.
Tobias Harms von den Stadtwerken betont, die Ersatzbusse seien zwar alt, aber nicht älter als Busse, die auch noch in der Stadtwerke-Flotte zum Einsatz kommen. „Wir haben auch keine Exoten eingekauft, sondern nur Fahrzeuge von namhaften Herstellern wie MAN oder Mercedes“, so der Bereichsleiter Betrieb. Die seien zuverlässig. Vom Komfort her sei nicht viel Unterschied zu heutigen Fahrzeugen.
Allerdings sind alle eingekauften Ersatzbusse Dieselfahrzeuge, die nur mit Ausnahmegenehmigung in die innerstädtische Umweltzone fahren dürfen. Eine Nachrüstung mit Partikelfilter gilt als zu teuer. Die in Augsburg üblichen, schadstoffarmen Erdgasbusse seien gebraucht nicht zu bekommen, heißt es bei den Stadtwerken.
In zehn Wochen sollen Fahrgäste auf den Linien 1 und 3 in die aufpolierte Alt-Flotte umsteigen. Momentan sind sie topmoderne, umweltschonende Niederflurtrams gewöhnt.
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