"Renaturierung statt Kraftwerksbau am Lech" will die Lechallianz, ein breiter Zusammenschluss von Vereinen und Verbänden. Sie forderte Eon Wasserkraft gestern auf, den Antrag für das Kraftwerk zurückzuziehen. An das bayerische Umweltministerium wird appelliert, die letzte längere freie Fließstrecke des Lechs naturnah umzubauen und Geld dafür bereitzustellen. Gestern holte die Lechallianz Fachleute nach Augsburg, um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Laut Sothmann können nur noch zehn Prozent der Flüsse frei fließen. Er sieht es als ethische Verpflichtung der Gesellschaft, dieses Naturerbe zu erhalten, das Lebensraum für viele Arten ist. Dies gelte auch für den rund zehn Kilometer langen Abschnitt des Lechs im Stadtwald Augsburg.
Sothmann zufolge ist ein neues Kraftwerk mit dem Naturschutz im Stadtwald und einer Renaturierung des Flusses nicht vereinbar. Wenn der Lech weniger dynamisch fließt, weil Wasser für die Turbinen abgezweigt wird, lasse sich das nicht ausgleichen. Ähnlich schätzt die Lage der Präsident des Fischereiverbandes Schwaben, Franz Josef Schick, ein. Er weist auf die fast durchgängigen Aufstauungen des Flusses hin. "Selbst wenn Fische von einer Badewanne in die andere hüpfen, finden sie keinen Lebensraum mehr." Der nötige Untergrund zum Laichen fehle, die Temperatur im Wasser sei zu hoch. Über 90 Prozent der strömungsliebenden Fischarten stehen bereits auf der Roten Liste Bayerns.
Sebastian Schönauer, Vize-Landesvorsitzender beim Bund Naturschutz, verwies auf eine "Potenzialstudie" für Wasserkraft in Bayern, die Eon Ende 2009 vorlegte. Darin seien zahlreiche Vorhaben in wertvollen Schutzgebieten aufgeführt. Der Augsburger Stadtwald sei ein nach Europarecht maximal geschütztes Gebiet, den Eon nun zum Testfall mache. "Wenn hier etwas geht, gibt's keine Bremse mehr", so Schönauer.
Er rief die Stadt dazu auf, standhaft zu bleiben und sich weiter gegen das neue Kraftwerk zu wehren. Denn für Augsburg müsse es eine Lösung wie die renaturierte Isar in München geben. "Der Lech muss jetzt überplant und den besonderen Naturschutzgebieten Rechnung getragen werden", appellierte auch Augsburgs Umweltreferent Rainer Schaal an den Freistaat.