Er hatte ganz große Pläne: ein riesiges Zelt auf dem Rathausplatz, dazu Lichtinstallationen, Projektionen. Er wollte seinen Stand auf dem Maxfest 2011 zum Treffpunkt für Tausende Menschen machen. „People are Party“ – die Menschen sind das Fest. Das sollte das Motto sein, schwärmt Harry Winderl.
Jetzt kann der Gastronom umplanen. Er muss sogar. Sechs Wochen, bevor er all das umsetzen wollte. Denn das Maxfest ist tot und mit ihm die Ideen, die in den vergangenen Monaten geboren wurden. „Ich bin schockiert und extrem traurig“, sagt Winderl. Nicht nur, weil ihm damit ein lukratives Geschäft verloren geht. „Eine gute Idee, eine super Geschichte ist damit gescheitert.“
Auch unter den Augsburgern und besonders unter den Max-Fans sorgt das Aus für Empörung und Verständnislosigkeit. Im Internetforum unserer Zeitung und über das soziale Netzwerk „Facebook“ wird heftig diskutiert. Von einer „Provinzposse“ und einem „Desaster“ ist dabei die Rede. Einige mutmaßen, für die Stadt seien die Sicherheitsbedenken nur ein Vorwand, um ein ungeliebtes Fest loszuwerden. Bei „Facebook“ hat ein Teilnehmer dazu aufgerufen, am 14. Juli trotzdem ein Maxfest zu feiern. 5700 haben sich bereits angekündigt. Ob so viele kommen werden, ist fraglich, wie Erfahrungen mit anderen Internetaufrufen zeigen.
Die Veranstalter und Gastronomen sind nun dabei, Schadensbegrenzung zu betreiben. Die Ersten haben ihre Buchungen storniert, Künstler wieder ausgeladen – die „Aufräumarbeiten“ haben begonnen, nachdem am Dienstagabend die Absage bekannt geworden war.
Die City-Initiative Augsburg (CIA) hatte die Notbremse gezogen. Ihr war nach monatelangen Gesprächen über die Sicherheit auf dem Fest ein Entwurf für einen Erlaubnisbescheid von der Ordnungsbehörde zugesandt worden. Darin enthalten: ein Auflagenkatalog, der umfangreicher ausgefallen war als von der CIA erwartet. Man sei von der Fülle überrascht gewesen, sagt der Vorsitzende der CIA, Christoph Sieber. Und nicht nur davon: „Es sind Dinge dabei, die wir so nicht besprochen hatten“, erklärte CIA-Manager Heinz Stinglwagner. Die Umsetzung dieser Auflagen hätte laut CIA die Finanzierung des Festes gesprengt und sei in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen.
Für Gastronom und CSU-Stadtrat Leo Dietz ist der komplette Vorgang „ein Unding“. Das Fest sei „in der Ordnungswut erstickt worden“, klagt er. Auch Dietz wollte bei Max11 wieder groß einsteigen und hat nun die ersten Aufträge storniert. Ob Wirte wie er oder andere Veranstalter wegen der bereits angefallenen Kosten Ansprüche auf Schadenersatz geltend machen können, ist noch unklar. Der CIA-Manager kündigte an, Gespräche mit der Stadtverwaltung führen zu wollen. Rainer Schaal, derzeit amtierender Ordnungsreferent, sieht rechtlich keine Verpflichtung der Stadt, hält eine politische Lösung aber für möglich.
Was bleibt, sind dennoch viele Fragen: Wieso gab es trotz monatelanger Vorgespräche neue Auflagen? Und warum wurden sie erst jetzt bekannt? Schaal und Stinglwagner versuchten am Tag nach der Absage gemeinsam, Antworten zu geben. Von Schuldzuweisungen wollen beide nichts wissen. So ganz eins schien man sich aber nicht in allen Punkten zu sein.
Vor allem die späte Information durch die Stadt stört die CIA. Hätten die Behörden die Auflagen für Max11 früher mitgeteilt, so sagt Stinglwagner, hätte man sich rechtzeitig darauf einstellen können. Mehrmals habe die CIA daher bei der Stadt angefragt. Wie Schaal jedoch erklärt, sei das Konzept des Festes immer wieder verändert worden. Dadurch hätten sich bis zuletzt neue Sicherheitsaspekte ergeben. Aber er räumt ein: „Es hätte sich gehört, die Planungen für Max11 früher zu beginnen.“
OB Kurt Gribl erklärt, man habe der CIA alle Möglichkeiten aufgezeigt, wie man zu einer Genehmigung des Festes gelangen könnte, ohne Sicherheitsstandards einzuschränken. „Für die CIA war dies aber kein gangbarer Weg, obwohl ich die vom Stadtrat beschlossene finanzielle Absicherung ausdrücklich aufrecht gehalten habe“, sagt er. "Kommentar und Seite 35