Erneuerbare Energien könnten dem alten Gaswerk in Augsburg neues Leben einhauchen. Das einzigartige Industrieensemble würde sich ideal als Standort für die innovative Erzeugung und Speicherung von Methangas eignen, meinen junge Ingenieure der bayerischen staatlichen Bauverwaltung. Beim Interdisziplinären Seminar für Baureferendare an der Technischen Universität München entwickelten sie eine ganze Reihe von Visionen für das Gaswerk in Augsburg-Oberhausen. Von alois Knoller


Die modernste Variante ist die Sache mit dem Methangas. Das Verfahren ist erst im Jahr 2009 patentiert worden und hat 2010 den Innovationspreis der deutschen Energiewirtschaft erhalten. Worum geht es? Auf dem Weg der Elektrolyse wird mit Solarstrom Wasser aufgespalten in Wasserstoff und Sauerstoff; der freie Wasserstoff, ein flüchtiges Element, wiederum wird mit Kohlendioxid zu Methangas verbunden. "Das Ganze ist CO2-neutral", sagte Ingenieur Marc Müldner bei der Präsentation.
"Enormes Potenzial steckt in diesem Verfahren"
Vor allem lässt sich Methangas problemlos speichern, womit sich das leidige Problem löst, dass regenerative Energie nicht unbedingt zu dem Zeitpunkt produziert wird, zu der die entsprechende Nachfrage besteht. Strom lässt sich aber nur begrenzt in Batterien speichern. Seine stoffliche Umwandlung ermöglicht es freilich, später jederzeit auf den gasförmigen Energieträger zurückzugreifen, das Methan in einem Blockheizkraftwerk zu verbrennen und daraus gleichzeitig Strom und Wärme zu erzeugen. "Enormes Potenzial steckt in diesem Verfahren", ahnt Marc Müldner. Im alten Augsburger Gaswerk ist die erforderliche Infrastruktur bereits vorhanden. Es ist gut angebunden an das Strom-, Gas- und Fernheiznetz der Stadt und hat Speicher für das Methangas.
Die Referendare sind davon überzeugt, dass die Methananlage Augsburgs Ruf als Umweltstadt weiter steigern könnte: "Für die Stadt Augsburg bietet sich hier ein Alleinstellungsmerkmal, denn ihr Gaswerk unmittelbar am Stadtrand ist einzigartig."
Andere Nutzungen wären ebenfalls möglich
Die Stadtwerke Augsburg, die den Baureferendaren beratend zur Seite standen, würden mit der neuen industriellen Nutzung ihre hohe finanzielle Belastung für den Erhalt des bislang kaum genutzten Industriedenkmals erheblich reduzieren. Platz für andere Nutzungen bliebe allemal noch auf dem weitläufigen Gelände.
So können sich die verschiedenen Arbeitsgruppen des Interdisziplinären Seminars auch vorstellen, ein Zentrum für Medien und Kunst einzurichten oder die "Sports Factory", eine GoCart-Bahn oder sogar ein Spielcasino namens "Gas Vegas". Das sind natürlich freie Gedankenspiele.
Obwohl Katrin Broszat darauf hinweist, dass die Referendare in ihren Studien auf ganz reale Situationen eingingen. "Wir sind alle ausgebildete Architekten und Ingenieure. Viele von uns waren auch schon beruflich tätig." Seitens der Stadt Augsburg hörte sich Peter Sterz vom Stadtplanungsamt die Präsentation an, insbesondere der Methanspeicherung. "Der entscheidende nächste Schritt wäre, dass sich die Stadtwerke damit intensiv befassen", sagte er.
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