Ein Samstagmorgen in Missouri, USA. Jody Strauch schaut sich im Internet ein Fußballspiel an. Wenig später landet eine Frage auf dem Handy von Michael Stoll: „Ist das das Augsburg, in dem Du lebst?“ Ja, antwortet der Professor der Hochschule Augsburg seiner US-Kollegin. „Bist Du im Stadion?“, forscht sie nach. Er sagt nein, doch Jody Strauch hält ihn aus dem fernen Missouri immer auf dem aktuellen Stand, was den FCA angeht. Die jüngste Nachricht – „I love FC Augsburg!“ – erreichte Stoll am vergangenen Samstag. Das 0:0 gegen Dortmund fand die Wissenschaftlerin so hinreißend, dass sie dem FCA eine Liebeserklärung aussprach.
Seit dem Aufstieg in die erste Liga ist der Fußball-Club ein Gesprächsthema – weltweit. Das erlebt Michael Stoll auf Tagungen, das spürt Alois Volk, wenn er in Brasilien oder Asien an neuen Kraftwerken arbeitet: „Über Fußball kommt man ins Gespräch. Früher ging das nur mit dem FC Bayern, heute geht das auch mit dem FCA“, sagt der Projektmanager von MAN Diesel & Turbo und FCA-Fan.
Der erste Eindruck: „Gekommen, um zu gehen“
Anfangs, nach der ersten Euphorie, waren es allerdings eher die unrühmlichen Themen, die Augsburg berühmt machten: Nach acht Spielen rückte mancher den FCA gar in die Nähe des schlechtesten Bundesligisten aller Zeiten, Tasmania Berlin. Der Journalist Sebastian Winter schrieb für Spiegel-Online ein FCA-Porträt unter dem Titel „Gekommen, um zu gehen.“ Und Thorsten Schabelon, Sportreporter der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), sagt über den ersten Eindruck, den der FCA in Dortmund hinterließ: „Man hatte kein großes Bild von Augsburg. Nach dem 4:0 im Hinspiel dachte man: Nach dem Rückspiel hat sich das erledigt, weil der FCA eh absteigt.“ Weil die Saison aber 34 Spieltage hat, sprechen die Reporter heute anders. „Nach dem 0:0 der Dortmunder am Samstag in Augsburg hat sich das Bild grundlegend gewandelt“, sagt Schabelon. Wie der FCA dem Meister und Tabellenführer einen Punkt abtrotzte, hat ihn, den BVB und seine Fans beeindruckt: „Augsburg ist ein kleiner Club und ein sympathischer Aufsteiger, ähnlich wie früher Freiburg.“
In der Fan-Zeitung „gibmich-die kirsche.de“ schwärmt Holger W. Sitter gar vom Ausflug zu den „Fuggern“. Die Fans waren besonders beeindruckt vom Treffen mit den FCA-Anhängern – sie hörten beim „Augsburg Calling“ gemeinsam Live-Musik im Charly-Bräu. „So etwas ist selten.“ Sitter gefällt der FCA: Sympathisch, seriös, bescheidener Präsident – Dortmund würde gerne wieder kommen.
Auch der Sport-Reporter Sebastian Winter, der im Herbst noch am FCA gezweifelt hatte, sagt heute: „Die Mannschaft hat sich wahnsinnig stabilisiert und macht sich berechtigte Hoffnung auf den Klassenerhalt.“ Das würde den Geschäftsführer der Kuka Roboter GmbH, Manfred Gundel, freuen. Er ist viel auf Reisen und weiß, womit man auswärts punktet: „Wichtig ist, sich Respekt und Anerkennung zu erarbeiten – was nur mit Einsatz, Ausdauer und dem Willen zum Erfolg möglich ist. Den zeigt der FCA.“ Davon ist der Philosophiedozent Gerhard Hofweber beeindruckt – ihm imponieren die kämpferischen Spieler und die treuen Fans. Er hat bundesweit Kunden und hört – wenn es Männer sind – immer einen Satz: „Ihr seid ja jetzt in der ersten Liga.“ Mehr kommt allerdings noch nicht an – „der FCA ist weder sympathisch noch unsympathisch.“ Die Identität muss aus seiner Sicht noch wachsen – am besten in noch vielen Bundesliga-Jahren.
Der Jubel über den Klassenerhalt wäre weltweit vielleicht zu hören. Zumindest aber an einem Samstagmorgen in Missouri, USA, wo Jody Strauch die Bundesliga und seit dem Aufstieg die FCA-Spiele verfolgt.