Die Insolvenz von Manroland hat am Wochenende große Betroffenheit ausgelöst: So war die Pleite des Konzerns das Thema in Augsburg. Nicht nur im privaten Kreis wurde über das Schicksal des Traditionsunternehmens debattiert. Bereits am Samstag traf sich die Augsburger Allianz für Arbeit – ein Netzwerk, das in der Regel einmal vierteljährlich zusammenkommt – außerplanmäßig zu einem Krisengipfel, so Oberbürgermeister Kurt Gribl.
Er telefonierte gestern mit dem Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der sich sehr gut informiert zeigte. Er lobte die Bemühungen der Allianz für Arbeit auf lokaler Ebene und sagte die Hilfe des Freistaates zu. So würde Bayern einem neuen Investor mit Bürgschaften zur Seite stehen, sagte Seehofer Gribl am Telefon zu. Der Ministerpräsident hatte sich gestern bereits mit Wirtschaftsminister Martin Zeil abgesprochen. Letzterer wird heute zu einem erneuten Treffen der Allianz für Arbeit im Augsburger Rathaus erwartet. Zeil brachte am Freitag nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens seine Betroffenheit zum Ausdruck.
Die Pleite sei ein schwerer Schlag für die Region, so der Wirtschaftsminister. „Der Schlüssel zur Lösung der Probleme liegt bei den maßgeblichen Gesellschaftern des Unternehmens. Sie stehen in der Verantwortung und müssen auch in dieser schwierigen Phase zu ihrem Unternehmen stehen. Die Insolvenz muss nicht das Ende von Manroland bedeuten, wenn die Gesellschafter diese Verantwortung jetzt zügig wahrnehmen“, sagte Zeil.
Agentur für Arbeit stellt Mitarbeiter ab
Zügig, das ist jetzt das Gebot der Stunde. Erste Ergebnisse des Treffens der Allianz für Arbeit verkündete Gribl bereits am Samstagabend. Er unterstrich gegenüber unserer Zeitung, dass die Mitarbeiter nicht mit leeren Händen dastehen werden: Löhne und Gehälter werden weiter ausbezahlt. „Durch eine verlässliche Anweisung erfolgt die Bezahlung der Löhne in Form von Insolvenzgeld in der nächsten Woche termingerecht. Dies gilt auch für die kommenden beiden Monate“, so Gribl.
Zur Betreuung der rund 2500 Beschäftigten in Augsburg werde die Agentur für Arbeit eigens Kräfte abstellen, hieß es nach der Sitzung. Wichtig sei nun, dass die Belegschaft zum Unternehmen stehe und Manroland nicht den Rücken kehre. Nur so könne die neue Investorensuche auch von Erfolg getragen sein.
Das ist Manroland
Die Ursprünge des Druckmaschinenbauers Manroland reichen bis in das Jahr 1845 zurück und sind eng mit Augsburg verbunden. Hier sitzt heute die Zentralverwaltung des Unternehmens.
Am 5. Mai 1845 liefert die C. Reichenbach’sche Maschinenfabrik & Eisengiesserei in Augsburg, eine Vorgängerfirma des MAN-Konzerns, ihre erste Schnellpresse an die Augsburger Druckerei von Nikolaus Hartmann aus.
In der heutigen Form entsteht Manroland am 1. Juli 1979 durch den Zusammenschluss der Roland Offsetmaschinenfabrik Faber & Schleicher AG in Offenbach mit dem Druckmaschinenbereich der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN). Nach der Wiedervereinigung kommt die frühere Plauener Maschinenbau AG (Plamag) hinzu.
2006 gliedert die MAN AG ihren Druckmaschinenbereich aus und verkauft Anteile an die Alllianz AG, die von der ACP-Beteiligungsgesellschaft des Versicherungsriesen verwaltet werden.
Im Boomjahr 2008 hat Manroland weltweit etwa 8600 Mitarbeiter. Doch die zunehmende Digitalisierung lässt den Druckmarkt schrumpfen. Es folgen immer wieder Kurzarbeit und Stellenstreichungen. Im November 2011 folgt dann das Aus. Manroland meldet Insolvenz an.
Von der Pleite sind zu diesem Zeitpunkt noch etwa 6500 Beschäftigte betroffen, davon rund 2400 in Augsburg. Insolvenzverwalter Werner Schneider gelingt es, Teile des Unternehmens zu retten. Die Standorten in Offenbach und Plauen werden zerschlagen.
In Augsburg steigt die Lübecker Possehl-Gruppe ein. Manroland Websystems, wie das Werk nun heißt, hat noch 1500 Mitarbeiter. Manroland schreibt nach eigenen Angaben wieder positive Zahlen. Doch der Markt ist nach wie vor schwierig.
Anfang 2017 wird bekannt, dass Manroland 280 der bis dato noch verbliebenen 1070 Mitarbeiter am Standort Augsburg in eine Produktionsgesellschaft ausgliedern will. Zu gleichen Konditionen wie bisher. Die Gewerkschaft ist allerdings skeptisch.
Die Vertreter der Allianz für Arbeit stellten unisono fest, dass sie die Altgesellschafter MAN und Allianz weiterhin in der Verantwortung für die gesamte Gestaltung der künftigen Struktur sehen. Begrüßt wurde, dass Werner Schneider den Job des Insolvenzverwalters anvertraut bekam. „Er hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sein Werk nicht auf Zerschlagung, sondern Erhaltung ausgerichtet ist“, so Gribl. Um Maßnahmen und Rahmenbedingungen für den Erhalt von Manroland wird es auch bei dem heutigen Gespräch gehen, wie etwa um länderübergreifende Maßnahmen.
Der Druckmaschinenhersteller Manroland beschäftigt in Augsburg, im hessischen Offenbach und im sächsischen Plauen insgesamt 6500 Beschäftigte.