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Affing: Nach dem Tornado: Ärger mit der Versicherung

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Nach dem Tornado: Ärger mit der Versicherung

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    So sah das Haus der Hummels nach dem Tornado aus. Das Dach wurde durch den Sturm abgerissen, in den oberen Zimmer sammelte sich Regenwasser.
    So sah das Haus der Hummels nach dem Tornado aus. Das Dach wurde durch den Sturm abgerissen, in den oberen Zimmer sammelte sich Regenwasser. Foto: Stephan Hummel

    Fast eineinhalb Jahre ist es her, dass der Tornado durch Affing fegte. Am 13. Mai 2015 zog der Wirbelsturm über das Lechfeld und traf die Gemeinde am späten Abend. Bürgermeister Markus Winklhofer sprach von der größten Katastrophe im Landkreis Aichach-Friedberg.

    Heute ist davon kaum noch etwas zu sehen. Die äußerlichen Schäden sind behoben, doch emotional und seelisch ist die Naturkatastrophe noch bei vielen Affingern präsent. Dazu kommen finanzielle Sorgen. Viele waren nicht oder nicht ausreichend versichert. Ihnen soll Geld aus einem Spendentopf helfen, der durch verschiedenste Initiativen mit fast einer Dreiviertelmillion Euro gefüllt wurde. Bescheide gingen im September an die Empfänger.

    Wegen Schimmel: Ehepaar streitet mit der Versicherung

    Bei den versicherten Tornado-Opfern ist der Wirbelsturm abgehakt – zumindest finanziell. Nur das Ehepaar Simone und Stephan Hummel, 35 und 37 Jahre alt, streitet sich mit der Bayerischen Versicherung, die aus der Bayerischen Beamtenversicherung hervorgegangen ist. Es geht um mehrere zehntausend Euro und um Schimmel. Winklhofer sagt: „Ein Streit in dieser Schwere ist mir sonst nicht in Affing bekannt.“ Es habe zwar vereinzelt Fälle gegeben, in denen sich Affinger mit ihren Versicherungen gestritten haben, erzählt der Rathauschef. „Aber sobald ihnen mit rechtlichen Schritten gedroht wurde, lenkten die ein.“

    Erst knapp ein Jahr vor dem Wirbelsturm waren die Hummels von Augsburg nach Affing gezogen. Der Tornado wehte das Dach der Doppelhaushälfte im Neubaugebiet weg. Durch den Regen bildeten sich Pfützen im Obergeschoss und der Estrich wurde feucht.

    Die Bayerische Versicherung schickte schon am zweiten Tag einen Sachverständigen, um sich einen Überblick zu verschaffen und den Schaden einzuschätzen. „Da kann man ihnen nichts vorwerfen“, sagt Stephan Hummel. Der Gutachter Ulrich Janzik schätzte den Schaden auf etwa 280000 Euro. Diese Summe beglich die Versicherung ziemlich schnell, wie die Hummels bestätigen. In dieser Rechnung gebe es aber offene Punkte, werfen sie der Versicherung vor.

    Versicherung wartet noch auf ein Gutachten

    Es geht um Schimmel im Estrich im Obergeschoss und in der Garage. Wolfgang Zdral, Pressesprecher der Bayerischen Versicherung, bestätigt, dass es noch offene Punkte gibt. Die Versicherung warte derzeit noch auf ein Gutachten. Es soll klären, ob der Schimmel im Wohnhaus gesundheitsgefährdend ist oder nicht.

    Dass das Gutachten noch nicht fertig ist, wussten die Hummels bislang nicht. Ihr Anwalt, Ferdinand Schäfer, erklärt, Fragen danach seien von der Versicherung abgeblockt worden. Die Hummels bekamen Anfang September von der Versicherung lediglich ein Schreiben, in dem steht, dass die Schimmelbelastung nicht gesundheitsgefährdend sei.

    Für Simone Hummel ist das eine unbefriedigende Antwort: „Selbst wenn der Schimmel zunächst nicht gefährlich ist, können sich im Lauf der Zeit Allergien bilden.“ Deshalb möchte das Ehepaar den Estrich austauschen lassen. Wie sich die Versicherung verhält, wird wohl von dem ausstehenden Gutachten abhängen. Anwalt Schäfer geht davon aus, dass der Fall vor Gericht enden wird.

    Unabhängig von dem Streit hat die Versicherung den Vertrag mit den Hummels inzwischen gekündigt. Das ist keine Seltenheit, wie Bianca Boss, Pressesprecherin beim Bund der Versicherten (BdV), sagt: „Versicherungsgesellschaften sind Wirtschaftsunternehmen. Sie schauen sich bestehende Verträge ganz genau an und auch den Schadensverlauf der Kunden.“ Wenn das Verhältnis zwischen Beitragszahlungen und Schaden nicht wirtschaftlich ist, sprechen sie Kündigungen aus, sagt Boss. Selbst ein scheinbar einmaliges Ereignis wie der Tornado könne zu einer Kündigung führen. Boss: „Gerade bei Schäden durch Unwetter werden die Gesellschaften hellhörig und schauen sich genau an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass weitere Schäden eintreten.“

    So beschreibt auch Versicherungsombudsmann Günter Hirsch das Vorgehen: Schon ein einziger Schadensfall könne zur Folge haben, dass ein Versicherungsvertrag als „schlechtes Risiko“ eingestuft werde. Versicherte haben laut Boss kaum Möglichkeiten, sich gegen eine Kündigung zu wehren. „Letztendlich sitzt einfach die Versicherung am längeren Hebel.“ Ob noch anderen Affingern die Versicherung gekündigt wurde, kann Bürgermeister Winklhofer nicht genau sagen. „Mein Eindruck aus persönlichen Gesprächen ist, dass es kaum Kündigungen gab. Aber das ist nur ein Eindruck.“

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