80 Meter Nervenkitzel: Wagemutige können sich vom Gaskessel im Augsburger Stadtteil Oberhausen abseilen lassen. Von Magnus Hilger

Nur die Füße berühren noch die Plattform am Gaskessel in Augsburg Oberhausen, der Oberkörper hängt schon über dem Abgrund. Vorsichtiges Abstoßen und schon geht es, am Seil hängend hinab, 80 Meter in die Tiefe.
Abseilen vom Gaskessel auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks in Oberhausen, das bietet die Firma "Kesseltreiben" seit Kurzem an.
Bevor es aber dort hinaufgeht, stehen erstmal die Einkleidung in Gurtzeug und Helm und eine umfangreiche Sicherheitseinweisung für alle Teilnehmer an. Die Ausrüstung wird von einem zweiten Mitarbeiter überprüft, dann wird an einem Palettenstapel das Prinzip des Abseilens demonstriert und geübt. Ein Seilstrang führt durch einen am Gurtzeug befestigten Abseilachter, zwei fest miteinander verbundene Ringe. Beide Hände liegen am Seil - durch Loslassen und Festhalten lässt sich dann die Geschwindigkeit regulieren.
Katharina Buchroth hat die Vorbereitungen schon hinter sich und hängt in 80 Metern Höhe am Seilstrang. Mit einem dritten Seil wird sie von Klaus Reichart während des ganzen Abseilvorgangs gesichert, während Stefan Schwager ihr noch hilft, Handschuhe überzustreifen. Beide sind Crewmitglieder von Kesseltreiben und erfahrene Kletterer. Dann kann es losgehen. Vorsichtig gleitet die junge Frau nach untern, zunächst langsam, dann zunehmend schneller. Zwischendurch, auf den Balkonen, die alle 20 Höhenmeter um den Gaskessel führen sind Crewmitglieder stationiert, die den Vorgang unterstützen und überwachen. Buchroth ist inzwischen unten angekommen. Vor dem Aufstieg noch etwas ängstlich hat es ihr doch sichtlich Spaß gemacht: "Da hat man sich leicht sicher gefühlt im Seil", sind ihre erste Worte.
Mehr als 120 Personen haben den Nervenkitzel gesucht und sich seit August vom Gaskessel abseilen lassen. Geschafft haben es fast alle, nur ein Mädchen sei dann doch wieder nach unten gelaufen, ist zu erfahren. Die älteste Teilnehmerin war 74 und amtierende Weltmeisterin im Duathlon", erinnert sich Karla Klaeser, die ebenfalls zur inzwischen fünfzehnköpfigen Crew von Kesseltreiben gehört. Die ältere Dame habe unten dann gemeint "Also ich habs mir spannender vorgestellt", berichtet Klaeser weiter.
"Auf die Idee mit dem Abseilen hat mich ein Bekannter von den Stadtwerken gebracht", erzählt Reichart von den Ursprüngen des Projekts. Im Juli 2009 wurde das Gelände zunächst inspiziert und erste Abseilversuche unternommen. Im Juni 2010 wurde dann auf dem obersten Balkon des Gaskessels ein galgenartiges Gestell montiert um die Seile zu befestigen und den Betrieb zu erleichtern, überwacht von der Prüfgesellschaft Dekra. Seit August können sich Abenteuerlustige regelmäßig vom Gaskessel abseilen. "Da kann man regelrecht süchtig danach werden", erzählt Klaeser schmunzelnd.
Deshalb ist die Firma auch schon auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Eine Teilnahme bei "Wetten, dass ...?" ist angedacht, in den nächsten Tagen soll die Bewerbung für die Sendung am 18. März 2011 in Augsburg abgegeben werden. Ein Crewmitglied der Firma will den Kessel an der Außenwand schneller empor klettern und sich anschließend abseilen als ein Läufer, der über die Treppen hinauf und hinunter läuft. Magnus Hilger
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