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Design: Nichts von der Stange

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Nichts von der Stange

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    Augsburger Erfolgsunternehmen: Benjamin Mayer, Martin Spengler und Daniel Reissner sind Lab Binaer.
    Augsburger Erfolgsunternehmen: Benjamin Mayer, Martin Spengler und Daniel Reissner sind Lab Binaer. Foto: Fotomontage: Lab Binaer

    Der Musensaal ist noch ein ungeschliffener Diamant des Fuggerhauses. Sorgfältig wird er gemeinsam mit dem Zodiakussaal restauriert. Wenn am Ende Wand- und Gewölbemalerei, Stuck, Terracotta und das Portal der Badstuben wieder den Prunk der detailverliebten Renaissance widerspiegeln, dürfen die Besucher dennoch nicht in die beiden Räume. Die Luftfeuchtigkeit muss konstant auf einem Wert gehalten werden – die gerade wieder hergestellte Kunst könnte sonst schweren Schaden nehmen. Das ist ein Problem. Das Augsburger Labor für Medienkunst Lab Binaer hat sich diesem Problem angenommen, will im Auftrag von Hausherr Hubertus Fürst Fugger-Babenhausen Augsburger und Touristen und die illustre Schönheit der Badstuben zusammenführen. Die Diplom-Designer konzipieren derzeit eine multimediale Führung durch die beiden Räume, die später in einem verglasten Bereich in der Loggia vor den Räumen zu sehen sein soll.

    Multimediale Darstellungen, das ist nur eine Säule des kreativen Schaffens des Augsburger Unternehmens. Benjamin Mayer, 31, und Martin Spengler, 28, haben das geschafft, wovon viele Jungunternehmer in der Branche noch träumen: Sie haben sich einen Namen gemacht, leben und arbeiten in Augsburg, erhalten aber deutschlandweit Aufträge. Etwa aus der Automobilindustrie. „Wir haben ein Interaktionskonzept erstellt, einen Prototypen gebaut. Ob der jemals realisiert wird, wissen wir nicht“, sagt Benjamin Mayer. Aber das war auch nicht vorrangiges Ziel des Auftrags. „Unsere Auftraggeber wollen Lösungen. Sie wissen, dass sie bei uns nichts von der Stange erhalten“, so der 31-Jährige.

    Ihre Ideen kommen an. Mayer und Spengler lernten sich während des Studiums kennen. Beide studierten Multimedia an der Hochschule Augsburg. Für ihre Diplomarbeit entwickelten sie einen digitalen Globus „Sensiphere“. Die Projektion reagiert auf Handgesten, individuell kann er mit Inhalten bestückt werden. Mit ihrer Projektion konnten sie den ersten großen Auftrag ergattern: Die MAN orderte eine „MAN-Sphere“ für ihren Messe-Stand.

    Der Weg in die Selbstständigkeit war gemacht. Zusätzlich erhielten sie ein „Exist Gründerstipendium“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, das durch den Europäischen Sozialfonds kofinanziert wird. Gemeinsam mit Daniel Stock gründeten sie Lab Binaer. Durch das Stipendium hatten sie sich für das erste Jahr das Grundgehalt gesichert, und erhielten ein Budget für Coaching.

    Schnell konnten sie sich freischwimmen und einen Auftrag nach dem anderen an Land ziehen. Ihre Projekte und Arbeiten bündeln sich in den Bereichen Messe, Museen und Kunst. „Trotzdem ist jeder Auftrag ein Neuanfang. Wir machen immer Sachen, die wir vorher noch nie gemacht haben“, sagt Mayer. Für die drei Kreativen ist es ein Stück Leidenschaft, nicht nur ein Beruf.

    In Augsburg gelten sie inzwischen als ein Aushängeschild der Kreativwirtschaftsszene, ein junger Wirtschaftszweig, der so wenig greifbar wie vielseitig ist. Diese Vielseitigkeit hat sich Lab Binaer erhalten. 2008 entwickeln sie eine interaktive Videoinstallation für die Puppenkiste. Benjamin Mayer: „Anlässlich des 50. Jubiläums der Puppenkiste waren zwei begehbare Kisten samt der Installationen in der City-Galerie ausgestellt. Anschließend gingen sie vier Jahre auf Deutschlandtournee.“ Sie gewannen mit ihrer Arbeit „Delete“ den „Kunst am Bau“-Wettbewerb 2010. Die Stele wurde von der Stadt gekauft und ist vor der Neuen Stadtbücherei zu sehen.

    Mit dieser Stele thematisiert Lab Binaer die Bedeutung der Archivierung von Wissen für die Menschheit. Auf einem Datenspeicher im Inneren der durchsichtigen Stele ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia hinterlegt. Der Passant kann selber entscheiden, ob er durch einen einfachen Klick, einen der Buchstaben unwiederbringlich löscht. Seit der Aufstellung wurde der Knopf bereits 30000 Mal gedrückt.

    Die Liste ihrer Aufträge und gewonnenen Preise ist lang. Während Daniel Stock Lab Binaer inzwischen verlassen hat, macht Daniel Reissner, 34, das Trio komplett, das stets mit Arbeit eingedeckt ist. 2010 wurde das Labor für Medienkunst von der Bundesregierung zu einem von 32 „Kultur- und Kreativpiloten Deutschlands“ ausgewählt. Benjamin Mayer nahm dafür an zahlreichen Workshops und Kreativmessen teil, trug ein Stück ihrer Augsburger Firmenphilosophie ins In- und benachbarte Ausland und fuhr anschließend aber immer gerne wieder an den Lech zurück.

    „Es gibt keinen Grund aus Augsburg wegzugehen. In Berlin wären wir einer von Tausend. Dort wird viel konsumiert, hier haben wir die Zeit und die Lust zu produzieren“, sagt er.

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