Samstag, 25. Mai 2013

30. April 2012 10:53 Uhr

Augsburg

Prostitution: Ullrich will Sperrbezirk deutlich ausweiten

Geht es nach dem Augsburger Ordnungsreferenten Volker Ullrich, soll Rotlicht künftig fast nur noch in Gewerbegebieten möglich sein.

Prostitution soll in Augsburg weiter eingeschränkt werden, fordert Ordnungsreferent Volker Ullrich.

Die Stadt will Prostitution künftig nur noch an wenigen Standorten im Stadtgebiet erlauben: Ordnungsreferent Volker Ullrich (CSU) hat jetzt einen Vorstoß angekündigt, nach dem künftig das gesamte Stadtgebiet mit Ausnahme von Gewerbegebieten, Ausfallstraßen und einigen anderen Standorten zum Sperrgebiet für Prostitution werden soll. Momentan sind nur die Innenstadt (mit Ausnahme der Hasengasse und des Prinzregentenplatzes) sowie einige Straßenzüge und Viertel im übrigen Stadtgebiet Sperrbezirk.

Ullrich erhofft sich so eine bessere Handhabe gegen Wohnungsbordelle wie in Oberhausen und gegen unerwünschte Straßenstriche wie im Proviantbachviertel. Im Stadtrat hatte Ullrich wie berichtet vergangene Woche Schritte in diese Richtung angekündigt. Auf einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Menschenhandel am Freitagabend in der Stadtbücherei konkretisierte Ullrich seine Überlegungen öffentlich.

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„Die jetzige Sperrbezirksverordnung stammt in ihren Grundzügen aus dem Jahr 1975. Seitdem hat sich aber vieles verändert.“ Das Areal um den Schlachthof sei kein unbelebtes Industrieviertel mehr, sondern habe sich zum Gewerbe- und Wohnviertel mit gehobener Gastronomie entwickelt.

Auch gegen Wohnungsbordelle, wie es sie in Oberhausen seit Jahren gibt, könne man so besser vorgehen. Bisher blieb nur das Baurecht, um gegen eine solche Nutzung von Wohnungen vorzugehen, weil Gewerbe in Wohngebieten nicht erlaubt ist. Das Ergebnis: Das Bauordnungsamt verfügt immer wieder Schließungen, kurz darauf öffnet nebenan das nächste Etablissement.

Ein erweiterter Sperrbezirk schaffe zusätzlich zum Baurecht Möglichkeiten, um dagegen vorzugehen, so Ullrich. Künftig sollen nach dem Willen der Stadt alle Stadtteile mit Wohngebieten auch in der Sperrbezirksverordnung genannt werden. Zuständig ist dafür aber letztlich die Regierung von Schwaben, mit der Ullrich sich zusammensetzen möchte.

Ein Verdrängungseffekt ist absehbar

Absehbar ist allerdings auch, dass ein derartiger Schritt zu Verdrängungen und Verlagerungen führen würde. Ein von Ullrich nicht genannter Nebeneffekt wäre wohl, dass vor allem größere Bordelle, die allesamt in Misch- oder Gewerbegebieten liegen, mehr Kundenzustrom hätten. Speziell Großbordelle sieht die Kriminalpolizei aber seit Jahren mit Argwohn.

Denn viele der 1500 bis 2000 Prostituierten, die pro Jahr in Augsburg Station machen (ständig sind etwa um die 500 Frauen in der Stadt), seien Opfer von Menschenhändlern, sagt Helmut Sporer, Leiter des für Menschenhandel zuständigen Kommissariats 1 der Kriminalpolizei.

Etwa 80 Prozent der Prostituierten kommen aus anderen Ländern, vor allem aus Südosteuropa. Häu- fig stünden Zuhälterorganisationen hinter den Frauen. Die Ermittlungen seien schwierig. „Die Frauen funktionieren und sind eingeschüchtert von den Zuhältern. Dass eine selbst Anzeige erstattet, kommt so gut wie nie vor“, berichtet Sporer.

Laut Soni Unterreithmeier vom Verein Solwodi, der Opfern von Zwangsprostitution zu helfen versucht, gibt es für die jungen Frauen teils schriftliche Anweisungen, wie sie sich im Fall einer Razzia im Bordell zu verhalten haben. Viele seien von Schleppern mit dem Versprechen auf einen soliden Job nach Deutschland gelockt worden und fänden sich unversehens im Rotlicht-Milieu wieder. Das Prostitutionsgesetz, das seit 2002 gilt und Prostitution aus der rechtlichen Sittenwidrigkeit holte, ist aus Sicht der Kripo ein Fehlschlag. Sporer spricht von einer „Scheinregulierung“. Zuhälter hätten nun ganz offiziell die Rechte von Arbeitgebern gegenüber Prostituierten.

Auch die Freier müssten nachdenken

Sait Icboyun, Sprecher des Fachforums Migration der SPD, und Prof. Thomas Schirrmacher, Autor eines Buches über Menschenhandel, halten einen Bewusstseinswandel für nötig – in der Gesellschaft und bei den Freiern. Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung müsse jeder, der regelmäßig ins Bordell geht, davon ausgehen, sich früher oder später an Zwangsprostituion zu beteiligen, so Schirrmacher.

Veranstaltet wurde die Diskussion von „projekt X“, einem Kirchenprojekt des Bundes Freier evangelischer Gemeinden.

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CSU | Prostitution | Volker Ullrich

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