Ein Augsburger Zahnarzt soll in seiner Praxis schon mal den Bohrer zur Seite gelegt und genüsslich an einer Haschisch-Zigarette gezogen haben. Behauptet jedenfalls eine ehemalige Sprechstundenhilfe. Jetzt stand der Mann vor Gericht. Von Peter Richter

Augsburg (peri).
"Am Morgen ein Joint und der Tag ist dein Freund", lautet ein uralter Spruch aus der Kiffer-Szene. Auch ein Augsburger Zahnarzt soll in seiner Praxis schon mal den Bohrer zur Seite gelegt und genüsslich an einer Haschisch-Zigarette gezogen haben. Behauptet jedenfalls eine ehemalige Sprechstundenhilfe. Sie war Auslöser einer Polizeiaktion im Oktober 2007 gegen den Dentisten. Die Ermittlungen mündeten nun in einem Prozess vor Amtsrichterin Ulrike Ebel-Scheufele.
Im Gerichtssaal steht Aussage gegen Aussage. Denn die Durchsuchung der Praxis und der Privatwohnung des Zahnarztes durch zwei Zivilpolizisten war ein Schuss in den Ofen. Ein Brocken Haschisch, in Alufolie eingewickelt, der angeblich im Aufenthaltsraum versteckt war, muss sich offenbar zuvor in Rauch aufgelöst haben.
Die Beamten fanden nichts. Dafür sollen sie, so hatte der verärgerte Dentist in einer Dienstaufsichtsbeschwerde behauptet, ihn "wie einen Schwerverbrecher behandelt und gefesselt" haben. "Alles falsch" gab die Staatsanwaltschaft kontra und klagte den Zahnarzt nicht nur wegen eines Drogendelikts, sondern auch wegen falscher Verdächtigung an.
Nie und nimmer habe er Drogen besessen oder geraucht, lässt der Dentist über seine beiden Anwälte erklären. Die Sprechstundenhilfe, die just am Tag der Polizeiaktion ihre Kündigung erhielt, bleibt dabei: "Er hat mir in der Mittagspause angeboten, einen Joint mitzurauchen. Es hat nach Haschisch gerochen, und der Rest der Zigarette lag im Aschenbecher." Sie habe mehrmals einen "Brocken in einer Folie" gesehen, der dann kurz vor der Durchsuchung verschwunden sei. Ein Patient (24) belastet den Zahnarzt ebenfalls. "Ich lag im Behandlungsstuhl. Da bot er mir einen Joint an. Ich habe abgelehnt."
Richterin Ebel-Scheufele bohrt weiter nach. Warum, so fragt sie die Sprechstundenhilfe, habe sie denn ihren Chef bei der Polizei überhaupt angezeigt? Ja, das habe schon einen Grund, er habe sie angemacht. "Und ich hab gesagt: Sie sind mein Chef, da geht nix." Die Vernehmung weiterer Zeugen kann den dichten Nebel um den angeblichen Joint in der Zahnarztpraxis auch nicht lichten.
Das Ende des Prozesses sorgt dann doch für Verwunderung: Der angeklagte Dentist stimmt einer Einstellung des Verfahrens wegen "geringer Schuld" zu - dem Buchstaben des Paragrafen 153 a der Strafprozessordnung zufolge eine Anerkenntnis der Vorwürfe.
Er muss allerdings eine saftige Geldauflage in Höhe von beachtlichen 12.000 Euro an die Staatskasse zahlen. Dafür darf er in seiner Praxis weiterhin mit einer "weißen Weste" herumlaufen.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: