„Die Hölle ist kalt. Die perfekteste Zeile, sagte er, die er bislang zustande gebracht habe. Das Feuer der Hölle ist kein wärmendes Feuer. Ich erfriere daran. Kein Ort ist so kalt wie diese brennende Wüste.“ Diese Worte eines Sterbegedichtes werden von einer der tragischen Figuren in Milena Michiko Fla˘sars Roman „Ich nannte ihn Krawatte“ erzählt.
Eindrucksvoll las die 32-jährige gebürtige Österreicherin mit sanfter Stimme in der Stadtbücherei Augsburg im Rahmen des Festivals Junge Literatur aus ihrem neuen Buch. Darin geht es um die Freundschaft zweier Männer, die beide auf ihre Art einsam sind und in wichtigen Lebenssituationen versagt haben. Ihren poetischen Worten, der einfühlsamen Handlung und den tiefen Blicken in die Seelen der Protagonisten möchte man ewig folgen. Der Roman ist schön wie eine laue Sommernacht, melancholisch wie ein verregnetes Wochenende, gemütlich wie eine heiße Tasse Tee und hoffnungsvoll wie das Erblühen einer Rosenknospe. Fla˘sar gelingt es, trotz der schwarzen Farben der Stille auf zartem Regenbogenpapier zu schreiben.
Der gesamte Roman ist ein kraftvolles, sprachliches Kunstwerk. Dabei vermittelt die in Berlin lebende Autorin mit japanischen Wurzeln einen Einblick in das Leben der japanischen Gesellschaft. Denn sie beschreibt das Leben eines Hikikomori, eines Menschen, der sich aus der Gesellschaft zurückzieht und mehr als sechs Monate in Isolation lebt. Ein Phänomen, wofür die Japaner einen Begriff geprägt haben, das aber, so die Autorin, weltweit auftritt. „Es geht mehr um das Symbolische und nicht um Japan. Die Geschichte lässt sich überall auf der Welt projizieren“, erklärte Fla˘sar.
Die wenigen Zuhörer waren begeistert von der sympathischen Autorin und ihrem neuen Buch, sodass noch sehr lange nach der Lesung miteinander geplaudert wurde. Der Roman berührt das Herz und ist in einer Sprache geschrieben, die die Klarheit reinen Wassers besitzt und die Poesie eines verloren gegangenen Paradieses.