Nur einer von vielen andächtigen Momenten bei den "Heilsamen Wegen". Auch in diesem Jahr hatte die Cityseelsorge einen nächtlichen Pilgergang durch Augsburg organisiert. Unter dem Motto "Wir erwarten einen neuen Himmel und eine neue Erde" standen vier Stationen auf dem Programm. Etwa hundert Pilger - alle mit Kerzen oder anderen Lichtern in der Hand - schlossen sich dem Zug an.
Die erste Station war die Antoniuskapelle in der Wintergasse. Von der katholischen Kirche wird sie seit neun Jahren der russisch-orthodoxen Gemeinde zur Verfügung gestellt. "Unser Gottesdienst wird nach byzantinischem Ritus gefeiert", sagte Natalia Hood. Zusammen mit Georg Neumann, beide von der russisch-orthodoxen Gemeinde, erklärte sie die Bräuche ihrer Religion. Dazwischen lauschten die Besucher Kirchenliedern von Tschaikowsky und Rachmaninow.
Danach zogen die Pilger zum Kloster St. Ursula. Das Innere der Klosterkirche war nur von Kerzenschein erhellt. Schwester Benedikta Hintersberger erzählte die Geschichte der Dominikanerinnen-Gemeinschaft.
1335 von sechs Frauen gegründet, machte der Konvent zu Zeiten der Reformation und später Säkularisation schwere Zeiten durch. Doch den Dominikanerinnen gelang es, ihr Kloster über die Jahrhunderte zu erhalten. "Nun sind wir nur noch eine kleine Gemeinschaft von zwanzig Schwestern", sagte Benedikta Hintersberger und fügte hinzu: "Wir sind sicher, dass es weitergeht. Nur wie, das bleibt uns verborgen." Danach hatten die Pilger noch das Privileg, einen Blick in den sonst verschlossenen Klostergarten zu werfen. Still zogen die Besucher vorbei an den mit Schnee bedeckten Beeten. Der vorletzte Punkt auf dem Programm war der Besuch der Hauskapelle im Haus St. Ulrich. Pfarrer Franz Wolf erklärte den oktagonalen Aufbau des Raumes. Das Achteck erinnert an den achten Tag im Hinblick auf die Auferstehung des Herrn. "Der Raum wird überhöht in das Unglaubliche." Zudem erzählte er die Geschichte der eingefallenen Godehardkapelle, direkt neben dem Haus St. Ulrich.
Lange war das Gebäude in Vergessenheit geraten und erst im letzten Jahrhundert wurde es bei Bauarbeiten wiederentdeckt. Danach führte er die Gruppe durch das eingefallene Gemäuer, das sonst Besuchern verschlossen bleibt. Die Pilger waren von den einzelnen Stationen beeindruckt. Gabriele Bayer aus Gersthofen sagte: "Mir hat der Abend sehr gut gefallen. Es war eine schöne Einstimmung auf den Advent."
Zum Ausklang gab es dann im Foyer des Moritzsaals noch heißen Tee für die Wanderer, die den ganzen Abend so tapfer gefroren hatten.