Ärzte-Konzert 1988: Ich war 18, trank zu viel Bier, tanzte wild und hatte einen Riesenspaß. Warum? Es gab schnelle Rocksongs, originelle Texte zum Mitsingen, viele blöde Sprüche und viele hübsche Mädchen. Und irgendwie mochte man die Jungs da auf der Bühne. Von Holger Sabinsky



Von Holger Sabinsky
Ärzte-Konzert 1988: Ich war 18, trank zu viel Bier, tanzte wild und hatte einen Riesenspaß. Warum? Es gab schnelle Rocksongs, originelle Texte zum Mitsingen, viele blöde Sprüche und viele hübsche Mädchen. Und irgendwie mochte man die Jungs da auf der Bühne.
20 Jahre später: Ich im besten Jazz-Alter. Gut, dass das neue Ärzte-Album "Jazz ist anders" heißt. Doch es hat sich nicht viel geändert. Meist schnelle Rocksongs quer durch 25 Jahre Bandgeschichte, originelle Texte, Bier, hübsche Mädchen, blöde Sprüche. Und viel Spaß.
Die selbst ernannte "beste Band der Welt" in Augsburg. Das erste große Konzert in Augsburg seit Jahren. Fast 9000 Besucher füllen die Schwabenhalle. Der Sound ist knackig und das will in der metallenen Halle schon was heißen. Die beiden riesenhaften Betonsäulen, die die Zuschauer immer stören, werden von den Ärzten kurzerhand "Günther" und "Herbert" getauft.
So sind die Berliner Jungs: Immer spontan, immer witzig, selbst wenn das Niveau bisweilen unter die Gürtellinie sinkt. Es ist allen egal. "Auch ihr habt ein Recht, verarscht zu werden", ruft Drummer Bela B., und allen gefällt¿s. Weshalb? Weil die Ärzte auch sich selbst leidenschaftlich gern auf die Schippe nehmen. Selbstironie ist eine der großen Stärken der Band. Man hat das Gefühl, sie nehmen nichts so richtig ernst.
Außer ihre Fans im Herzen dann doch. Das Erfolgsrezept der Ärzte: Sie sind authentisch. Sie sind welche von uns. Sie geben einem nicht das Gefühl, das alles nur für Kohle zu machen. Sie spielen auch in Augsburg fast drei Stunden lang. Ohne Pomp, ohne ausufernde Lichtshow.
Farin Urlaub, Bela B. und Rod Gonzalez bringen ganz neue Hits vom aktuellen Album "Jazz ist anders": "Junge", "Lied vom Scheitern", "Lasse redn". Alte Hits: "Zu spät", "Ist das alles", "2000 Mädchen", "Ich ess¿ Blumen", "Westerland". Und auch vieles, was dazwischen lag: "Unrockbar", "Schrei nach Liebe", "Manchmal haben Frauen". Dazu immer Animation. Die "Sitz-La Ola" oder die "Wall of Death". Bei anderen Konzerten gehen dem Zuschauer lange Reden zwischen den Songs auf die Nerven, bei den Ärzten gehören die legendären Dialoge zwischen Farin und Bela unbedingt zum Entertainment.
"Die Ärzte" schaffen es, egal wo sie spielen, diesen speziellen Kontakt zum Publikum zu kriegen. In Augsburg tun sie sich besonders leicht: Die drei sind bekennende Puppenkiste-Fans, hatten dort schon eine Privatführung. Beim Konzert dauert es nicht lange, bis sie auf der Bühne wie der Kleine König Kalle Wirsch herumhampeln und die Zuschauer (im Alter von zwölf bis zirka 48) auffordern, sich wie Marionetten zu bewegen. Außerdem erinnern die Bandfarben rot, grün, weiß und schwarz an die Farben des FCA (rot-grün-weiß). So sehen auch die Fanshirts der Band beinahe wie FCA-Trikots aus. Ein Heimspiel für die Ärzte.
|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: