Lorenzo Catalano kann es kaum glauben. Im Oktober beginnt er an der Hochschule Augsburg das Masterstudium „Marketing, Vertrieb, Medien“. Trotzdem bekommt er mit seinem Studentenausweis nicht die gleichen Vergünstigungen wie andere Augsburger Studenten. Zum Beispiel erhält er nicht das übliche Semesterticket für Bus und Bahn. Dabei ist er auf einen preisgünstigen Fahrausweis für den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. „Ich bin BAföG-Empfänger und muss jeden Cent sparen“, sagt der 26-Jährige.
Ähnlich wie dem Augsburger geht es rund 60 weiteren jungen Leuten, die den neuen Masterstudiengang „Marketing, Vertrieb, Medien“ im Bereich Wirtschaftswissenschaften gewählt haben. Das Besondere daran: Die Hochschulen Augsburg und Ingolstadt kooperieren bei diesem Studienangebot. Ingolstadt hat aber allein die Federführung. Deshalb sind alle Studierenden nur dort eingeschrieben, auch wenn sie jede Woche zwischen Vorlesungen in Augsburg und Ingolstadt pendeln.
Dreimal so teuer
Catalano sieht sich nun in der Zwickmühle. Er wohnt in Augsburg. Er studiert einen Teil der Woche in Augsburg. Weil sein Studentenausweis aber nicht in Augsburg ausgestellt ist, bekommt er nicht das übliche Semesterticket für 48,40 Euro wie alle seine Augsburger Kommilitonen. Stattdessen soll er eine Semesterkarte beim AVV kaufen, die dreimal so teuer ist. Er fragt sich, warum solche praktischen Fragen bei der Hochschulkooperation nicht mit gelöst wurden. „Wir Studenten wären alle bereit, die 48 Euro fürs Augsburger Semesterticket zusätzlich zu zahlen. Es gibt so viele Ermäßigungen, aber nicht dort, wo man sie wirklich braucht.“
Augsburgs Hochschulpräsident Hans-Eberhard Schurk hat zwar Erfahrung mit Kooperationen. „Es ist aber das erste Mal für uns, dass ein solcher Fall auftritt“, sagt er. Schurk kann sich eine Zuzahlung von 48 Euro vorstellen. Geregelt ist dazu wenige Wochen vor dem Semesterstart aber noch nichts. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit haben die Stadtwerke. „Wir sind gesprächsbereit, aber von der Hochschule müsste sich jemand an uns wenden“, sagt Pressesprecher Jürgen Fergg.
Studentenwerk für Bayernlösung
Durch die Einschreibung in Ingolstadt gab es in Augsburg noch weitere Probleme. Normalerweise dürften „Ingolstädter“ Studenten in der Augsburger Hochschulmensa nur als Gäste essen. Das wäre für sie doppelt so teuer wie für ihre Augsburger Kommilitonen. Für eine unbürokratische Lösung sorgte jetzt Doris Schneider, die Geschäftsführerin des Studentenwerks, das die Mensen betreibt. „Ich habe Anweisung gegeben, dass sie bei uns zum üblichen Studierendenpreis essen dürfen“, sagt sie. Ob diese Lösung Bestand hat, muss sich aber erst zeigen.
Schneider weist auf ungelöste rechtliche Probleme hin. Das Hochschulgesetz schreibt vor, dass Studierende nur an einer Hochschule immatrikuliert sein dürfen. Deshalb können sie nur an einem Standort bestimmte Vorteile ihres Studentenausweises nutzen. Gleichzeitig nehmen aber die Kooperationen von Hochschulen zu, die gemeinsame Studiengänge anbieten.
Schneider will das Thema auf Landesebene angehen. Als Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Studentenwerke wird sie die Probleme auf einem der nächsten Treffen auf die Tagesordnung bringen. „Eine klare Lösung muss her“, sagt sie.