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22. November 2011 23:00 Uhr

Jura

Ständig am Fall

Rechtswissenschaften sind alles andere als trocken. An der vor 40 Jahre gegründeten Fakultät sind die Bedingungen für die Studierenden günstig

Michael Haller hat den Überblick. Ehe er sich für das Jurastudium an der Uni Augsburg entschied, hat er sich ein paar andere Fakultäten angeschaut. Dabei wurde klar: „Augsburg war vom Gesamtkonzept die überzeugendste.“ Die Gebäude sind ziemlich neu, auf dem Campus liegt alles an einem Fleck, die Ausstattung mit Medien und Büchern ist o.k. und die Fakultät ist nicht so ein Massenbetrieb wie in München mit heuer rund 1000 Erstsemestern.

Die Studierenden fühlen sich wohl in der Fakultät, die gerade 40 Jahre alt geworden ist. Als Reformmodell hatte sie angefangen und immer noch zeugt ihr Profil von Innovationskraft. Bio-, Umwelt- und Medizinrecht werden als Schwerpunkte geführt. Europarecht, Wirtschaftsrecht und Compliance, also ethisch korrekte Unternehmensführung, galten als Spezialgebiete. „Als Fakultät sind wir gut aufgestellt“, meint Dekan Prof. Philipp Hellwege. Mit den Studenten zieht man an einem Strang, um mithilfe von Studiengebühren einen Erweiterungsbau zu bekommen.

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Wirtschaftsjurist: ein Pendeln zwischen verschiedener Denke

Ohne die Breite in der Ausrichtung hätten Patrik Marten und Simon Koch vielleicht nicht in Augsburg studiert. Wirtschaftsjuristen wollen sie werden. Ihre Ausbildung verläuft zwischen den beiden Fachbereichen. Ständig pendeln sie hin und her – nicht allein räumlich, sondern auch geistig. „Die Denke ist sehr unterschiedlich“, weiß Patrik Marten. Das Jurastudium fordere mehr abstraktes Denken, in den Wirtschaftswissenschaften werde zum Teil Paukwissen abgefragt. Die Konsequenz: „Bei Klausuren muss ich genau überlegen, wie die jeweilige Herangehensweise ist, um Erfolg zu haben“, sagt Patrik.

Er hatte schon eine Banklehre in Frankfurt am Main absolviert, ehe er sich in Augsburg bewarb. Wirtschaftsjurist ist eine begehrte Ausrichtung: 300 wollen anfangen, 50 werden tatsächlich aufgenommen. Simon Koch ist direkt eingestiegen. In dem Doppelstudium müsse man ständig am Ball bleiben. „Es wird dauernd Leistung gefordert. Jede Klausur am Semesterende zählt bereits für die Bachelornote“, sagt er. Erlassen ist den Wirtschaftsjuristen allerdings das Strafrecht.

Daniela Gerstlauer und Michael Haller müssen sich dagegen in sämtliche Rechtsgebiete einarbeiten. Sie studieren „klassisches“ Jura mit Abschluss Staatsexamen. Michael würde gern mal Staatsanwalt oder Richter werden, Daniela bevorzugt das Öffentliche Recht, also den staatlichen Verwaltungsvollzug. Nach neun bis zehn Semestern sollten sie alles drauf haben. „Gesetzestexte muss man im Examen nicht auswendig können, aber man muss wissen, wo was steht“, erklärt Daniela.

Es empfiehlt sich im Jurastudium, von Anfang an zu lernen. „Wenn man die richtige Arbeitsweise gefunden hat, hält sich der Aufwand in Grenzen“, sagt Daniela. Das System der Rechtsfindung sollte man erkennen, um den großen Überblick zu erhalten. Michael reizt gerade die Vielseitigkeit des Rechts. „Im Leben kannst du fast nichts mehr machen, ohne nicht mit Gesetzen zu tun zu haben“, weiß er. Jura sei alles andere als trocken – „wenn man ein Faible dafür hat“.

Spitzfindig muss man schon sein. „Den Einstieg in einen Fall muss man erst finden“, sagt Daniela. Und dann sollte man Spaß daran haben, mit der Sprache umzugehen, denn die rechtliche Würdigung will exakt ausformuliert sein. Im Staatsexamen dauert eine Jura-Klausur fünf Stunden. Sechs davon gibt es. „Die meisten lernen ein bis eineinhalb Jahre nur aufs Staatsexamen“, so Michael. Wenn sie nicht vorher aufgeben. Ihr Anteil beträgt rund 40 Prozent. Bei den Wirtschaftsjuristen fallen nur fünf bis zehn Prozent aus. »Meinung

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